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Eisenbahnen in Sachsen


Feldbahn Granitwerke Demitz-Thumitz
Werkbahn der Carl Sparmann & Co. G.m.b.H.

Seit etwa 1830 verarbeitete man die am Demitzer Klosterberg im Wald zahlreich vorhandenen Granitfindlinge zu Treppenstufen, Tür- und Fenstereinfassungen, Trögen und Zaunsäulen. Um 1840 entstanden erste Granitbrüche am Großen Jungfernstein und am Tröbigauer Berg. Der Bau des 230 m langen Demitzer Viaduktes der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahn ab 1844 war Anlass für den Aufschluss weiterer Steinbrüche im Klosterberggebiet.
Der Dresdner Kaufmann Carl Sparmann gründete am 14.08.1848 sein Demitzer Unternehmen und erwarb im Folgejahr den Bruch am Ratschken. Mit der Eröffnung der Demitzer Glashütte im Juli 1865 war auch eine Verladung der Steine an der Eisenbahnstation Demitz möglich. Der Transport nach Bischofswerda oder Seitschen entfiel.
Die "Gründerzeit" nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 führte zu einem Aufschwung im Baugewerbe. Die Steinbrüche "Kanzel" wurden ab 1870 eröffnet, später von Carl Sparmann übernommen und vereinigt. Den Geschäftssitz verlegte man 1884 von Kamenz nach Demitz. Die offene Handelsgesellschaft Carl Sparmann & Co. wurde 1913 in eine G.m.b.H. umgewandelt.

Das Unternehmen profitierte nicht von der 1887 eingerichteten Steinladestelle der Staatsbahn, da der Konkurrent Sächsische Granit-A.G. den gesamten Nordhang des Klosterberges belegte und sein Besitz zu durchqueren war. Die Sparmann'schen Steinbrüche verfügten deshalb bis in die 1920er Jahre nur über innerbetriebliche Schienenwege und seit 1898 über einen 600 m langen Bremsberg am Bruch Kanzel. Nach Streitigkeiten um das Wegerecht entstand 1928 eine neue Ladestelle an der Hauptbahn Görlitz - Dresden und eine rund 4 km lange schmalspurige Werkbahn, die das Areal der Sächsische Granit-A.G. bis zum Bruch am Tröbigauer Berg umrundete ("Sparmann'sche Ringbahn"). In aufwändiger Trassierung folgte das Gleis dem Gelände und überwand rund 100 Höhenmeter.
Mit der Demontage der Betriebsanlagen 1945/46 wurde auch die Werkbahn abgebaut. Die Trasse ist heute abschnittsweise noch erkennbar. Das Unternehmen führte man ab 1947 als Treuhandbetrieb weiter und förderte im Bruch Kanzel. Die Steine wurden anfangs über den Bahnhof Schmölln verladen. Im Januar 1949 endeten 100 Jahre Unternehmensgeschichte mit der Vereinigung der zwei verbliebenen Demitzer Granitwerke im "VVB Steine und Erden".


Werkbahn der Sächsische Granit-A.G.

Der Dresdner Baumeister Carl Gotthelf Kunath pachtete 1878 mehrere Granitbrüche bei Schmölln. Der Ort erhielt 1879 eine Haltestelle an der neu gebauten Eisenbahnlinie Niederneukirch - Bischofswerda, die güstig für die Steinverladung lag. Mit Eröffnung der Ladestelle Demitz am 24.03.1887 verlagerte sich der Versand dorthin. Obwohl der Firmengründer C.G. Kunath bereits am 01.11.1888 das Granitsteingeschäft verkaufte, wurde sein Name fester Bestandteil der Firmenbezeichnung.
In den Folgejahren wurden mehrere Brüche übernommen oder neu aufgeschlossen. Noch mussten die hunderte Kilogramm schweren Granitquader aufwändig per Pferdefuhrwerk transportiert werden, teils direkt bis in die Residenzstadt Dresden. Die Dresdner Bahnbauten sorgten Ende des 19. Jahrhunderts für einen steigenden Absatz von Klarschlag und Schotter. Am Bruch Thumitz entstand 1894 die erste Bremsberganlage in der Oberlausitz. Die Brüche Jungfernstein und Rothnaußlitz wurden 1897 über eine 600-mm-spurige Werkbahn mit dem Werkplatz an der Ladestelle verbunden.
Im Jahr 1901 nahm man im Bruch Thumitz nach schottischem Vorbild die erste deutsche Kabelkrananlage in Betrieb, mit 282 m Länge und 5 t Tragfähigkeit, erbaut für 30 000 Mark von der Leipziger Firma Unruh & Liebig. Ein eigenes Elektrizitätswerk lieferte ab 1902 Gleichstrom für den Antrieb der Krananlagen und für die Elektrifizierung der Werkbahn.
Nach Ankauf von Grundstücken 1898/99 wurden die Privatgleisanlagen an der Staatsbahn-Ladestelle umfangreich ausgebaut und weitere Brüche an die Werkbahn angeschlossen, dabei entstand um 1903 auch die elektrisch betriebene "Bolbritzbahn" zu den gleichnamigen Granitbrüchen.
Im Winter 1908/09 erhielt der Ort Demitz-Thumitz einen Anschluss an das Städtische Elektrizitätswerk Bautzen. Aufgrund von Kohlenmangel im Ersten Weltkrieg bezog auch die Firma Kunath ab 1916 ihren Strom aus dem Überlandnetz. Für den elektrischen Fahrbetrieb mussten Quecksilber-Gleichrichter nachgerüstet werden.


Wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Inflationszeit zwangen die Firmeninhaber im April 1922 zum Anschluss an die Basalt-A.G. in Linz am Rhein als Zweigniederlassung und damit zur Umfirmierung in die "Sächsische Granit-A.G. vorm. C.G. Kunath".
Ein schweres Unwetter verwüstete am 04.07.1929 die Oberleitungsanlage der Werkbahn. Fehlende Aufträge führten u.a. im Juli 1932 und September 1934 zu Produktionseinschränkungen und Entlassungen. Der Bau der Reichsautobahnen und von Prestigeobjekten der neuen Machthaber verhalf der Lausitzer Granitindustrie zum ersehnten Aufschwung. Zu Jahresbeginn 1935 konnte nach kurzer Bauzeit ein neues Gasmotoren-Kraftwerk in Betrieb genommen werden. In der Blütezeit des Unternehmens Ende der 1930er Jahre umfasste der Grundbesitz 270 ha und das Pachtgelände 60 ha.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte die Einstellung des Granitabbaus und bis 1946 die Demontage der Betriebsanlagen. Damit endete auch der elektrische Zugbetrieb. Der Neubeginn fand 1947 im Bruch Thumitz statt. Zu Jahresbeginn 1950 ging ein Bremsberg zum Bruch Kanzel in Betrieb. In den 1950er Jahren wurden vom VEB Sächsische Granitwerke neue Diesellokomotiven beschafft und die Gleisanlagen ausgebaut. Man hielt eine eigene regelspurige Werklok (V 10 B) vor, die aufgrund der geringen Gleislängen nur Rangieraufgaben erfüllte. Moderne Anlagen zur Herstellung von Pflaster- und Bordsteinen wurden bis in die 1980er Jahre errichtet.
Der Betriebsteil Demitz-Thumitz des seit 1970 bestehenden VEB Lausitzer Granit wurde 1991 mit den noch aktiven Brüchen am Rothnaußlitzer Berg wieder von der Basalt AG übernommen, die Gewinnung von Rohblöcken und die Werksteinfertigung jedoch am 31.01.2003 eingestellt. Der letzte vorhandene Bremsberg zum Bruch Jungfernstein mit 20% Steigung wurde bereits im Herbst 1989 aus technischen Gründen stillgelegt. Im Mai 1990 befuhr man die Werkbahnstrecke letztmalig zur Wagenabholung und 1994 endete auch der innerbetriebliche Transport auf der Schiene. Die schmalspurigen Gleisanlagen wurden ein Jahr später abgerissen; Reste im Bereich des Werkplatzes und der Verladung waren bis 2015 vorhanden.
Im Februar 2003 übernahm der "Historische Feldbahn Dresden e.V." ein hölzernes Gleiswaagehäuschen und im Herbst 2006 den früheren viergleisigen Ellok-Schuppen aus Demitz-Thumitz.

Entwicklung der Werkbahn C.G. Kunath

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Quellen

[1] www.steinmetzschule.de
[2] "50 Jahre C.G. Kunath, Sächsische Granit-GmbH Dresden, Demitz-Thumitz", Verlag Hoppenstedt, Berlin 1938
[3] "Chronik VEB Sächsische Granitwerke Demitz-Thumitz", Eigenverlag, Demitz-Thumitz 1956
[4] Harding: "Die Feldbahn, Band 3: Ehemalige DDR", Verlag Ingrid Zeunert, Gifhorn 1992
[5] Christopher: "Die Feldbahn, Band 6: Feldbahnbetriebe in Deutschland ...", Verlag Ingrid Zeunert, Gifhorn 2003
[6] Dresdner Journal vom 26.06.1905
[7] Bautzener Nachrichten vom 24.11.1909
[8] Der Steinarbeiter vom 28.01.1911
[9] Der sächsische Erzähler vom 02.11.1913
[10] Der sächsische Erzähler vom 01.10.1929
[11] Der sächsische Erzähler vom 09.07.1932
[12] Oberlausitzer Heimatzeitung 1933
[13] Der sächsische Erzähler vom 20.03.1933 und 27.03.1933