Industriebahn Neusörnewitz
Streckengeschichte
Im Jahr 1890 erwarben die Brüder Bernhard, Max und Willy Heckmann in Neusörnewitz, nahe der Hauptbahn Borsdorf - Coswig, Flächen zur Errichtung von Fabrikanlagen. Zu dieser Zeit existierten dort nur eine Ziegelei und ein Eisenbahnhaltepunkt. Mit Beteiligung des Meißner Industriellen Ernst Teichert gründete man am 29.12.1897 die Steingutfabrik A.G. Sörnewitz-Meißen. Der Fabrikneubau ging am 27.01.1899 in Betrieb, zusammen mit einem Anschlussgleis, das vor dem Haltepunkt abzweigte. Die Glasfabrik A.G. Brockwitz wurde am 28.03.1903 in Meißen gegründet und eröffnete zu Jahresbeginn 1904 im Süden von Neusörnewitz ihren Produktionsstandort für Pressglas. Die Fabrik erhielt 1903 ein eigenes Gleis, das parallel zum bestehenden Anschluss trassiert wurde, die neue Ansiedlung durchquerte und im Werksgelände in einer Ringstrecke endete. Nach Gründung der Porzellanfabrik Sörnewitz A.G. am 23.01.1905 und der Sörnewitzer Glashütten-A.G. am 26.05.1905 enstanden im Umfeld zwei weitere Fabriken der Gebrüder Heckmann, auch als Konkurrenz zur ansässigen Glasfabrik. In der Aktionärsversammlung am 24.11.1906 wurden diese als Betriebsabteilungen der Steingutfabrik A.G. zusammengeschlossen. Die Heckmannschen Fabriken nahmen eine Fläche von 11,6 ha ein. Die Anschlussgleise konnten ohne nennenswerten baulichen Aufwand verlegt und bis in die Fabrikhöfe geführt werden. Weitere Anschließer waren die Dampfziegelei und ein Gaswerk. In Neusörnewitz entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine städtische Bebauung mit Geschäften, einer Gaststätte, Postamt und Wohnhäusern für die Fabrikarbeiter.
Die Porzellanfabrik stellte schon vor dem Ersten Weltkrieg die Produktion ein und wurde am 22.07.1922 von der Siemens-Elektrowärme G.m.b.H. übernommen. Die Abteilung Glas der Steingutfabrik A.G. fiel im Folgejahr an die Glasfabrik A.G. Brockwitz. Im August 1928 zerstörte ein Großbrand das Dampfziegelwerk. Ab 1937 fertigte man bei Siemens Rüstungsgüter, in der Glasfabrik Flugzeugteile, Minen und Handgranaten. Nach der Demontage der Fabriken 1945 und dem Wiederaufbau der Industrie bestanden die Unternehmen als Volkseigene Betriebe fort. Vermutlich mit dem Ausbau des Haltepunktes Neusörnewitz zum Bahnhof veränderte man 1973 die Anbindung der Anschlussbahn an die Strecke Borsdorf - Coswig. Der Anschluss wurde in Richtung Meißen verlegt und Platz für eine dreigleisige Übergabestelle geschaffen. Das Ausziehgleis endete in Höhe km 100,58 BC. Die Anschlussbedienung war nur noch über eine Spitzkehre möglich. Das 1984 in Betrieb genommene Rohbraunkohle-Heizwerk des VEB Elektrowärme erhielt einen eigenen Gleisanschluss. Bis 1992 stellten die Fabriken ihre Produktion ein und die Anschlussbahn wurde entbehrlich. Ab August 1996 entstand auf dem Gelände der Glasfabrik ein Gewerbegebiet der Stadt Coswig. Der Rückbau der letzten Gleise im Bereich der Hauptbahn soll 2005 erfolgt sein. Einige Gleisreste sind noch an den einstigen Fabrikstandorten vorhanden. [1],[2],[3],[4]
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Quellen
[1] "Geschäftsbericht der Steingutfabrik Akt.-Ges. Sörnewitz-Meißen", Berlin 1912
[2] "25 Jahre Glasfabrik Aktien-Gesellschaft Brockwitz", Ecksteins Biographischer Verlag, Berlin 1928
[3] Schenk: "Chronik der Industrie von Coswig", Coswig 1994
[4] Naumann: "Die Entwicklung der keramischen Industrie in Sachsen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart" in "Sächsische Heimatblätter", Heft 2/2020
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