Werkbahn Baruth — Kleinsaubernitz
Streckengeschichte
Seit 1865 wurde in der Zeche "Graf zur Lippe" bei Kleinsaubernitz, nahe der sächsisch-preußischen Landesgrenze, Braunkohle abgebaut. Mit der Verordnung zur Verlängerung der Staatsbahnstrecke Löbau - Weißenberg bis Radibor am 14.06.1900 wurde die industrielle Erschließung der Braunkohlenvorkommen wirtschaftlich. Im April 1902 gründete sich in Berlin die "Oberlausitzer Braunkohlen-Gewerkschaft Union", übernahm die Zeche in Kleinsaubernitz und begann mit dem Neubau einer Brikettfabrik nebst Kraftwerk. Am 5. September des Jahres beantragte man die Konzession für eine Werkbahn. Im März 1903 wurde der Erläuterungsbericht verfasst und für den Neubau des Bahnhofs Baruth eine Wagenübergabestelle geplant, die auf Kosten der Gewerkschaft anzulegen war:
Gleis 5 - beladene Wagen in Richtung Weißenberg
Gleis 6 - Umfahrungsgleis
Gleis 7 - beladene Wagen in Richtung Radibor
Gleis 8 - Abstellgleis (Bau unklar, 1910 nicht vorhanden) Die Baugenehmigung wurde am 06.04.1903 erteilt. Die Bauvorbereitungen überschattete der Konkurs der Braunkohlen-Gewerkschaft: am 12.12.1903 wurde das Liquidationsverfahren eröffnet und gleichzeitig die "Oberlausitzer Braunkohlen-A.G." (OLBA) gegründet. Diese ließ ab Januar 1904 von der Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Fränkel & Co. m.b.H. aus Leipzig-Lindenau ein regelspuriges Gleis nach Kleinsaubernitz errichten. Mit einem Schreiben vom 16.08.1904 zeigte man die Fertigstellung an: »Wir beehren uns hiermit die Mitteilung zu machen, daß eine privisorische Abnahme unseres Anschlußgleises Baruth - Kleinsaubernitz stattgefunden hat und ist uns - bis zur Fertigstellung unserer elektrischen Centrale - von der Königlichen Eisenbahn-Betriebs-Direktion zu Dresden-N. die Beförderung beladener Güterwagen durch Pferdekraft unter der Bedingung gestattet, daß wir die Erlaubnis zur Befahrung der Zweigbahn bei der Königlichen Amtshauptmannschaft einholen. [...]« Die Genehmigung (für Lokomotivbetrieb) wurde am 17. August erteilt, so dass die Strecke zusammen mit der Brikettfabrik in Betrieb gehen konnte. Für den Tagebauaufschluss nördlich des Werks begann Ende August der Bau einer 900-mm-spurigen Feldbahn. Ab Dezember 1904 wurde darüber die geförderte Rohbraunkohle in die Brikettfabrik gefahren.
Der Streckenanfang (Baustationierung) befand sich an der Abzweigweiche aus der Übergabestelle. In Kleinsaubernitz lagen drei parallele Gleise mit einer Schiebebühne am Streckenende, zudem gab es eine Gleiswaage. An Kunstbauten existierten neben einer 8,5 m langen schiefwinkligen Stahlbrücke über das "Dubrauker Fließ" nur einige Deck- und Wölbschleusen. Eine Besonderheit war die Elektrifizierung der Strecke mit Gleichstrom aus dem fabrikeigenen Elektrizitätswerk. In der Baugenehmigung hieß es dazu: »Die Stromspannung darf nicht höher als 600 Volt sein. [...] Die für die Oberleitung oder sonstige Leitungen zu verwendenden Drähte sind vorher so zu behandeln, dass sie sich, ohne die erforderliche Festigkeit einzubüssen, nicht spiralig rollen. Die Oberleitung ist so zu spannen, dass sie im tiefsten Durchhange einen Mindestabstand von 5,5 m von der Schienenoberkante einhält.« Der elektrische Fahrbetrieb konnte provisorisch am 28.01.1905 aufgenommen werden, endgültig nach Beseitigung einiger Mängel erst am 5. Juni des Jahres. Auch die Gleise der Übergabestelle in Baruth waren überspannt. Zur Verfügung stand anfangs eine Siemens-Lokomotive mit zwei Fahrmotoren und 62 PS Gesamtleistung. Im Mai 1910 wurde der vorübergehende Einsatz von Staatsbahnlokomotiven auf der Werkbahn genehmigt, da sich die Siemens-Lokomotive zur Reparatur befand. Vermutlich aus diesem Missstand heraus gesellte sich 1911 eine weitere elektrische Lokomotive von A.E.G. dazu. Im Jahr 1905 beabsichtigte man auch eine Personenbeförderung auf der Werkbahn. Dazu hieß es in einem Schreiben vom 4. Mai: »Mit Inbetriebsetzung unserer Verbindungsbahn von Kleinsaubernitz nach Baruth ist an uns von der Umgebung der vielseitige Wunsch herangetreten, eine Personenbeförderung von Kleinsaubernitz nach Baruth einzurichten. Vor Allem liegt an den Sonn- und Feiertagen zum Zwecke des Kirchenbesuches das Bedürfnis vor. Wir bitten die Königliche Generaldirektion höflichst, uns die Beförderung von Personen auf unserer electrischen Locomotive, welche ca. 8-10 Personen aufnehmen kann, gegen ein Fahrgeld von 25 Pfgn. für die einfache und 35 Pfge. für die Hin- und Rückfahrt zu gestatten.« Das Gesuch wurde zwei Monate später aus Sicherheitsgründen abgelehnt.
Zur Vereinfachung des Kohletransports bauten die Gebr. Mörbitz ab 02.04.1906 eine fest installierte Förderstrecke (Kettenbahn). Die zugehörige Straßenunterführung wurde am 25. Mai des Jahres abgenommen. Bereits im Januar 1906 erging ein Beschluss zur Liquidation der Aktiengesellschaft. Im März 1907 begann das Konkursverfahren, das zwei Monate später mangels Masse eingestellt wurde. Die Gesellschaft firmierte sich neu als GmbH. Die 1914 veröffentlichte Reichskarte zeigt zwischen Neudörfel und Kleinsaubernitz einen dem Gelände angepassten Gleisverlauf der Werkbahn. Vermutlich zwischen 1918 und 1923 erfolgte eine Umtrassierung, wodurch neben der Streckenverkürzung auch ein 180-m-Radius entfiel. Die kleine Kohlenlagerstätte wurde zuletzt noch im Tiefbau betrieben. Am 03.10.1927 brach ein Grubenbrand aus, der drei Bergleuten den Tod brachte. In der Folge wurde die Förderung eingestellt und die Grubenbaue geflutet. Mit der Demontage der Oberleitung im April 1931 endete der elektrische Zugbetrieb. Im Sommer 1938 sprengte man die Brikettfabrik, am 26. Februar des Folgejahres die Schornsteine. Bis um 1945 wurde das in Kleinsaubernitz verbliebene Gewerbe noch per Schiene bedient, danach die Werkbahn bis Neudörfel abgebaut.
Seit dem 02.11.1911 verfügte die Kartoffelflockenfabrik bei Baruth über einen Nebenanschluss mit zwei Ladegleisen. Im Jahr 1918 übernahmen die Lautawerke die Guttauer Tongrube, um aus der Tonerde Aluminium zu gewinnen. Nach Genehmigung vom 15.05.1919 entstand am Werkbahngleis bei Neudörfel eine Verladeanlage mit Anschluss zu einer 900-mm-spurigen Feldbahn. Den Regelspuranschluss baute die Fa. Paul Schreck aus Halle/Saale, die zweigleisige 50 m lange Schmalspurrampe errichtete die Dresdner Fa. Kell & Löser in Stahlbeton. Auch existierte eine Gleiswaage der Fa. Ludwig Voigt aus Leipzig-Eutritzsch. Am 13.02.1920 erfolgte die Abnahme der Verladeanlage. Die Betriebsführung der Werkbahn ging mit der Stilllegung der OLBA-Werke auf die Tongrube über, ab 1938 stand dafür eine BMAG-Kleindiesellok zur Verfügung. Um 1953 nahm man in Neudörfel ein modernes Schamottewerk in Betrieb und stellte die Feldbahn auf 600-mm-Spur um. Für eine Feldbahnverbindung mit dem östlich gelegenen Schamottewerk Dubrauke gab es seit 1956 eine Gleiskreuzung mit der Anschlussbahn. Ab 1965 nutzte die NVA das ehemalige Werkbahngleis bis zu einer im Wald versteckten Laderampe am km 3,5 mit und ließ den Oberbau sanieren. Die Bedienung erfolgte seit 1973 von Radibor bzw. Bautzen aus. Um 1990 verlieren sich die Daten zur regelspurigen Anschlussbahn. Das Schamottewerk Neudörfel wurde 1993 abgerissen und 1998 durch einen Neubau der CREATON GmbH ersetzt.
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Quellen
[1] Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand 10736 Ministerium des Innern, Signatur 14252
[2] Sächsisches Staatsarchiv - Staatsfilialarchiv Bautzen: Bestand 50013 Amtshauptmannschaft Bautzen, Signaturen 6469, 6504, 6505, 6510
[3] Dr. Thiemann: "Die Eisenbahn um Weißenberg", Ostsächsische Eisenbahnfreunde e.V., Löbau 1997
[4] v. Polenz: "Eisenbahnen im Bautzener Land", Ostsächsische Eisenbahnfreunde e.V., Löbau 2006
[5] "Werkbahnreport 8", Historische Feldbahn Dresden e.V., Dresden 1999
[6] Belli: "Das Lautawerk der Vereinigte Aluminium-Werke AG (VAW) von 1917 bis 1948", LIT Verlag, Berlin 2012
[7] Messtischblatt 39 "Baruth-Weigersdorf", Stand 1908 und 1923
[8] www.ostkohle.de
[9] www.basaltwerk-baruth.de
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