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Eisenbahnen in Sachsen


Werkbahn Dolomitwerk Braunsdorf
Streckengeschichte

Noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs plante man unter dem Decknamen "Schill" auf dem Gelände der Braunsdorfer Dolomitwerke G.m.b.H. die Errichtung einer unterirdischen Anlage zur Reifenherstellung. Die NS-Bauorganisation Todt (kurz OT) legte hierzu ab Dezember 1944 ein Anschlussgleis, beginnend im Bahnhof Kesselsdorf der Schmalspurbahn Freital-Potschappel - Wilsdruff. Die Strecke zweigte mit der Weiche P2 in km 6,72 PNo vom Gleis 3 in westlicher Richtung ab. Ein projektiertes Gleis 5 kam vermutlich nicht zur Ausführung, obwohl die Einbindeweiche P3 bereits gelegen hat. Eine Gleissperre sicherte den Anschluss gegen unerlaubte Befahrung.
Spätestens das Kriegsende führte zum Abbruch der Arbeiten. Das fertiggestellte Gleis endete am km 3,06 ca. 50 m vor der geplanten Einfahrweiche des dreigleisigen Werkbahnhofs. Am 10.01.1945 wurden Teile der Gleisanlage abgenommen. Als einzige Zugfahrt ab Mai 1945 ist die Überführung von 27 mit Baugeräten beladenen Wagen mittels einer Benzollok durch die Riesaer Baufirma Louis Schneider verzeichnet.
Die Stadt Dresden zeigte Interesse an einer Übernahme der Werkbahn, jedoch erwies sich die aus rein militärischen Gründen angelegte Strecke als Hindernis für die ortsansässigen Bauern: »Betr.: Aufhebung einer Kleinverbindungsbahn von Kesselsdorf nach Braunsdorf Kalkwerk
Am 8.2.46 erscheint Herr K., wohnhaft Kesselsdorf und teilt mit, daß auf seinem Grund und Boden während des Krieges eine Kleinbahn gelegt worden sei, welche von Kesselsdorf Bf nach Braunsdorf Kalkwerk führt. Die Bahn selbst ist noch gar nicht in Betrieb gewesen. Herr K. hat nun großes Interesse daran, daß die Gleise weggenommen werden, damit er sein Feld wieder bestellen kann.
«
Bedenklich war vor allem der mangelhafte Zustand des Oberbaus. Für das Befahren mit Reichsbahnlokomotiven konnten Anfang 1946 lediglich die Anlagen im Bahnhof Kesselsdorf freigegeben werden. An der freien Strecke waren betriebsgefährdende Gleissenkungen zu verzeichnen. Seitens der Reichsbahndirektion Dresden hieß es am 14.03.46: »Da die Betriebssicherheit auf dem Anschlußgleis nicht gewährleistet ist, die Dolomitwerke sich weigern, die Pauschgebühren zu bezahlen und sogar die Angabe anzweifeln, daß die Oberbaustoffe Eigentum der DR sind, halte ich die Beibehaltung des Anschlusses für nicht zweckmäßig.«

Ende August 1946 teilten die Dolomitwerke der Rbd Dresden mit, dass ihrerseits kein Interesse mehr an der Erhaltung des Anschlussgleises besteht. Eine geplante Erweiterung des Kalkwerkes konnte aufgrund zu geringer Rohstoffvorkommen nicht realisiert werden. Dem voraus gegangen war die (letztmalige) Befahrung des Gleises durch Rbd-Vertreter am 08.08.46: »Betr.: Anschlussgleis der Dolomitwerke Braunsdorf - ehem. OT-Bauvorhaben, Kesselsdorf
Wir haben [...] den fast 3,0 km langen Anschluss von Kesselsdorf aus mit der Draisine durchfahren. Der Anschluss war seinerzeit noch vor Kriegsende von der ehem. OT in Eile und unter dem Druck der Ereignisse hergestellt worden. Wir konnten ihn damals nur bis zum Gleisvorleger auf Bf Kesselsdorf abnehmen, weil er mit unserer Lok in diesem Zustand unmöglich befahren werden konnte. Das Gleis durchkreuzt die Felder der Fluren Kesselsdorf und Braunsdorf, teilweise wurden die Felder von Bauern durch das Gleis getrennt, so dass die Bauern die Felder durch Benutzung von schienengleichen Feldwegen bestellen müssen. Wenn diese Überwege auch zum Teil vorhanden waren, manche von ihnen sogar ausgebohlt, so wurden im Laufe der Zeit verschiedentlich die Bohlen von Bevölkerung gestohlen. Durch Lehm und Schmutz an den Bauernwagen wurden die Feldwege mit SO und zwischen den Gleisen eine Ebene, die Spurrille besteht nicht mehr, abgesehen davon weist das Gleis grobe Richtungs- und Höhenlagefehler auf, so dass eine Benutzung in diesem Zustand unmöglich ist.
«
Ein Schreiben vom 07.02.1947 vermeldet: »Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen, daß die Genehmigung vom Ministerium für Wirtschaft und Wirtschaftsförderung zum Ausbau für das vorgesehene Anschlussgleis nach den Dolomitwerken in Braunsdorf erteilt worden ist. Die Gleisanlage soll, da sich die Streckenlänge ebenfalls über 3 km beläuft, für die ausgebaute Schmalspurstrecke Taubenheim/Spree - Oppach als Vollspurstreckenteil eingebaut werden. [...]«
Der Abtransport des Schotters, für den man keine Verwendung hatte, bereitete einige Schwierigkeiten. Der letzte Hinweis auf die Strecke ist eine Nachricht der Bahnmeisterei Wilsdruff vom 09.04.47, die von einer Verzögerung bei den Rückbauarbeiten spricht, »weil in einem tiefen Einschnitt der Strecke Kesselsdorf - Braunsdorf bis vor Kurzem noch starke Schneewehen lagen.«
Nach Spuren der Werkbahn, die keinerlei Bauwerke aufwies, sucht man in den Acker- und Wiesenflächen heute vergeblich. Der 200 m lange und bis zu 4 m tiefe Einschnitt am Scheitelpunkt wurde verfüllt. Das Kalkwerk stellte 1964 die Produktion ein. Die Gebäude werden noch zu Wohnzwecken genutzt, das Grubengelände ist verfüllt.

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Quellen

[1] Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand Deutsche Reichsbahn, Rbd Dresden, Abgabe vom 01.06.1992, Signatur 259/2
[2] Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand 11384 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft, Signatur 4169
[3] Wunderwald: "Das Wilsdruffer Schmalspurnetz", IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff, Wilsdruff 1995
[4] Messtischblatt 4947 "Wilsdruff", Stand 1937