Werkbahn Quoos — Crosta
Streckengeschichte
Die Geschichte der "Kaolin- und Chamottewerke A.G." reicht bis ins Jahr 1831 zurück, als die Gräflich Einsiedel'schen Werke zu Crosta gegründet wurden. Nach dem Gutsherrn Graf Clemens Adolf von Einsiedel auf Lippitsch erhielten das ab Oktober 1891 aufgebaute Werk und die zugehörige Arbeitersiedlung den Namen "Adolfshütte". Neben der Kaolinförderung und Schamotteproduktion wurde auch Braunkohle für den Eigenbedarf gewonnen, bis 1898 auch im Tiefbau. Die Adolfshütte lag im sächsischen Grenzland zu Preußen, weitab der Eisenbahnstrecken. Mit der Eröffnung der Nebenbahn Bautzen - Königswartha am 03.12.1890 bot sich jedoch die Möglichkeit für einen Eisenbahnanschluss. Am 08.09.1891 erhielt der Graf von Einsiedel die Baugenehmigung für eine 750-mm-spurige Industriebahn, beginnend am Haltepunkt Quoos. Die Königliche Straßen- und Wasserbau-Inspektion in Bautzen genehmigte die Privatbahn nur mit zahlreichen Auflagen für den Bau und Betrieb: »An den Kreuzungen mit den öffentlichen Wegen sind die Schienen der Transportbahn bis auf die gehörige Tiefe und zwar so weit einzulassen, daß der Verkehr in keiner Weise belästigt wird. [...] Die Schienen sind sofort herauszunehmen, sobald die Bahn nicht mehr gebraucht werden sollte. Der ursprüngliche Zustand der Wege ist alsdann wieder herzustellen.« Das Freiberger Bauunternehmen Seim & Riedel begann Mitte August 1891 mit den Arbeiten. Ab dem 21. September kam die firmeneigene Lokomotive "Nr. 427" vor Bauzügen zum Einsatz. Die bahnamtliche Abnahmeprüfung unter Teilnahme des Königswarthaer Bahnverwalters Oertel fand am 22.04.1892 statt. Im Juni 1892 ging die Werkbahn offiziell in Betrieb. Am Dampfsägewerk von Ernst Ball in Luppa und am Rittergut Lomske bestanden öffentliche Ladestellen. Das Gleis endete in der Braunkohlengrube "Alexandra". Zum Einsatz kamen zwei Bn2t-Lokomotiven von Krauss, die aus Sicherheitsgründen nur tagsüber und mit maximal 15 km/h fahren durften. Dank eines Rollbockverkehrs mit Verladeanlage in Quoos konnten auch normalspurige Güterwagen befördert werden. In der Adolfshütte gab es ein 500-mm-Feldbahnnetz.
 Adolfshütte
Seit dem 17.03.1892 bestand die Adolfshütte als Aktiengesellschaft. Die im September 1895 geplante Streckenverlängerung bis zur Margarethenhütte bei Großdubrau kam nicht zustande. Die Adolfshütte, das Sägewerk Luppa und einige Gemeindevorstände richteten im Februar 1900 eine Petition an den Sächsischen Landtag, in der sie um den Ankauf der Privatbahn durch den Staat baten, als Alternative zum geplanten Bau der regelspurigen Nebenbahn Weißenberg - Radibor. Man entschied, die Petition "auf sich beruhen zu lassen." Vier Jahre später reichte man erneut eine Petition ein, diesmal gegen den Trassenverlauf des Streckenabschnitts Baruth - Radibor, welche ebenfalls scheiterte. Ab Herbst 1904 siedelte sich auf dem Fabrikgelände als Tochterunternehmen die Capillar-Schleifscheibe G.m.b.H. an. Am 09.08.1905 kam es in der Adolfshütte zu einem Fabrikbrand mit drei Todesopfern und 175 000 M Schaden. Bei einem weiteren Brand am 20.01.1908 wurden Teile der Werksgebäude zerstört, mit 500 000 M Schaden. Ein Ersuchen der Adolfshütte im Januar 1906 zur Aufnahme des nächtlichen Zugbetriebs wurde seitens der Behörden zwar nicht abgelehnt, jedoch an die Bestimmungen der "Sekundärbahnverordnung" gekoppelt, so dass man, wohl auch in Erwartung des Regelspuranschlusses, davon absah.
 Lokschuppen Adolfshütte, Quelle [5]
Lokomotivbestand
Mit der Verlängerung der Strecke Löbau - Weißenberg bis Radibor erhielt die Adolfshütte einen regelspurigen Anschluss. Deshalb konnte der Abschnitt Quoos - Luppa stillgelegt und abgebaut werden. Das Königl. Sächs. Finanzministerium schrieb dazu am 12.06.1907: »Mit der Adolfshütte, vormals Gräflich Einsiedel'sche Kaolin-, Ton- und Kohlenwerke Aktiengesellschaft zu Crosta ist von der Generaldirektion der Staatseisenbahnen der [...] beigefügte Vertrag vom 10. Oktober 1906 über die Verbindung des Hüttenwerks durch eine normalspurige Zweiggleisanlage mit den Betriebsgleisen des Bahnhofs Grossdubrau an der Staatseisenbahnlinie Weissenberg - Radibor abgeschlossen worden. Nach Eröffnung dieser Zweiggleisanlage wurde der Betrieb auf der schmalspurigen Industriebahn mit Lokomotivbetrieb von dem Haltepunkte Quoos an der Staatseisenbahnlinie Bautzen - Königswartha nach Crosta eingestellt und die fragliche Schmalspurbahn, mit deren Bau und Betrieb sich das Ministerium des Innern in dem Beschlusse vom 13. Oktober 1891 [...] einverstanden erklärt hat, von dem Haltepunkte Quoos an bis zu dem etwa in der Mitte dieser Linie gelegenen Dampfsägewerk in Luppa abgebrochen. [...] An dieser Schmalspurbahn befinden sich die Haltestellen Lomske und Luppa, die der Zuführung und Abholung von Wagenladungsgütern für Dritte dienen. [...]« Mit dem Anschlussgleisdamm wurde der Braunkohlentagebau überbaut und das Schmalspurgleis vermutlich bis zu den Rollbockgruben im Werk eingekürzt. Im Jahr 1910 erwarb die Stettiner Chamottefabrik Didier A.G. die Aktienmehrheit an der Adolfshütte A.G. Im Werk bestanden zu dieser Zeit umfangreiche regel- und schmalspurige Gleisanlagen mit zweiständigem Lokschuppen, Gleiswaage und sieben Rollbockgruben. Das Luppaer Sägewerk verlud bis 1914 Schnittholz auf regelspurige Güterwagen, dann wurde auch dieser Streckenteil abgebaut. Die Ladestelle Lomske war vmtl. schon vorher aufgelassen worden. Mitte 1927 musste die Kaolinförderung aufgrund der Marktlage eingestellt werden; die Grube füllte sich mit Grundwasser. Der zuletzt noch innerbetrieblich durchgeführte Rollbockverkehr fand erst mit der Stilllegung des Werks im März 1930 sein Ende. Die Liquidation der Adolfshütte A.G. zog sich bis Ende 1936 hin. [1],[2],[3],[4]
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Quellen
[1] Sächsisches Staatsarchiv - Staatsfilialarchiv Bautzen: Bestand 50013 Amtshauptmannschaft Bautzen, Signaturen 6514, 6515
[2] v. Polenz: "Eisenbahnen im Bautzener Land", Ostsächsische Eisenbahnfreunde e.V., Löbau 2006
[3] Tischer: "Die Schmalspurbahn Quoos - Crosta - Adolfshütte bei Bautzen", Eigenverlag, Weißwasser 2024
[4] "Der oberschlesische Wanderer" vom 10.08.1905
[5] Didier-Werke AG: "150 Unternehmens-Jahre", Eigenverlag, Wiesbaden 1984
[6] Äquidistantenkarte "Section Luttowitz", Stand 1896
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