DHTML Menu By Milonic JavaScript



Eisenbahnen in Sachsen


Abzw Elbgaubad — Neusörnewitz
Streckengeschichte

In der Streckengabelung zwischen den Hauptbahnen Borsdorf - Coswig und Leipzig - Dresden befand sich eine weitgehend unbekannt gebliebene Verbindungskurve. Während der Fahrgast der S-Bahn nach Meißen den rostigen Schienenstrang eingehend begutachten konnte, wird dem Fernbahnreisenden auf der Strecke Leipzig - Dresden wohl nur eine unangenehm ratternde Weichenverbindung am Elbgaubad aufgefallen sein. Das ebene Brachland eignete sich ideal zur Anlage der Strecke, deren Funktion nicht eindeutig belegt ist.
Zwischen der Sörnewitzer und der Köhlerstraße, in der Nähe der 1968 aufgelassenen Blockstelle Elbgaubad, bestand in der LD-Linie eine Gleisverbindung. Direkt an der EÜ Köhlerstraße lag der Abzweig der Verbindungskurve, der vom Coswiger Stellwerk B3 aus fernbedient wurde. Mit einem 350 m-Radius verlief das Gleis nach Westen und traf vor Neusörnewitz auf die BC-Linie. Etwa in Streckenmitte kreuzte ein Weg den drei Meter hohen Bahndamm. Am Bahnhof Neusörnewitz stellte eine weitere Gleisverbindung die Überleitung von der Hauptbahn her.
Am 09.10.1973 wurde in Neusörnewitz vorbereitend ein Gleisbildstellwerk und damit der automatische Streckenblock zwischen Meißen und Coswig, Abzw B in Betrieb genommen. Einen Tag später gab man die eingleisige, nicht elektrifizierte Verbindungskurve frei. Die offizielle Streckenbezeichnung lautete LDC.

In einer Veröffentlichung von 1989 wird die Strecke erstmals erwähnt und als Gleisskizze dargestellt. Militärische Gründe dürften für den Bau nicht ausschlaggebend gewesen sein. Ein Anhaltspunkt ist das ehemalige Industriegebiet bei Neusörnewitz, das über einen eigenen Gleisanschluss verfügte und über die Verbindungskurve Kohlelieferungen erhalten haben könnte. Allerdings wurde das 1976 errichtete Heizhaus des "VEB Elektrowärme Sörnewitz" erst 1984 auf Braunkohlefeuerung umgestellt. Belegt sind hingegen planmäßige Kohlezüge nach Meißen.
Zwischen dem 26.09.1976 und 24.09.1977 verkehrten feiertags und an Wochenenden zwei Personenzugpaare über die Kurve (KBS 220). Der ungewöhnliche Zuglauf führte von Meißen auf direktem Weg nach Priestewitz und von dort über Großenhain und Ruhland nach Cottbus. Anlässlich der Fahrzeugparade "150 Jahre Leipzig-Dresden" im April 1989 nutzte man die Kurve zur direkten Überleitung von Fahrzeugen aus dem Bahnbetriebswerk Nossen. In einigen Fällen dürfte das Gleis auch zur Umfahrung des Abzw B auf dem Weg nach Coswig gedient haben, dabei aber mit Wenden in Neusörnewitz.
Nach der Stilllegung der Strecke am 02.09.1993 verschwanden zuerst die Gleisverbindungen und Abzweigweichen an den Hauptbahnen. Um 2000 begann man mit der Demontage des verbliebenen Gleises. Eine Kilometrierung war nicht auffindbar. [1],[2],[3],[4],[5],[6],[8]

Mediathek
Quellen

[1] Betriebliche Mitteilungen der Reichsbahndirektion Dresden vom 05.10.1973
[2] Borchert: "Die Leipzig-Dresdner Eisenbahn", transpress-Verlag, Berlin 1989
[3] Schenk: "Chronik der Industrie von Coswig", Coswig 1994
[4] "Modelleisenbahner", Heft 5/2000
[5] www.stellwerke.de
[6] Informationen von F. Werheid
[7] Informationen von M. Janosch
[8] Informationen von N. Kunick