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Eisenbahnen in Sachsen


Awanst Schmorkau — Röderau
Dublierung Elbebrücke Riesa
Streckengeschichte

Nach dem Abbau der Schmalspurbahn Oschatz - Strehla im Frühjahr 1972 kehrte für einige Zeit Ruhe an der brachliegenden Trasse ein und der Bahndamm wurde ein beliebter Radweg. Im März 1978 begannen plötzlich Vermessungsarbeiten, die in der Bevölkerung schon Freude über den baldigen Wiederaufbau ihrer Kleinbahn aufkommen ließen. Doch das emsige Treiben diente ganz anderen Zwecken - finanziert von der "Zentralen Landesverteidigung" sollte auf dem alten Bahnkörper eine regelspurige strategische Eisenbahnstrecke entstehen. Im Ernstfall hätte man mittels einer 400 m langen Behelfsbrücke aus dem Brückengerät ESB-16 der NVA, die in zwei Tagen aufgebaut werden konnte, über die Elbe die Verbindung beider Streckenteile hergestellt und damit eine Umgehung des Eisenbahnknotens Riesa geschaffen. Mit der Ausführung des Bauvorhabens wurde die Deutsche Reichsbahn beauftragt.
Im Frühjahr 1979 begann die Herstellung der Trasse bei Röderau, im Juli des Jahres bei Oschatz. Ende 1980 waren der Unterbau der Gesamtstrecke und der Oberbau des östlichen Zuführungsgleises einschl. der Anbindung an den Bf Röderau fertiggestellt. Das westliche Zuführungsgleis fehlte hingegen. Die Trasse wurde als Fahrweg missbraucht und verfiel dadurch zunehmend. Erst im April 1986 begann mit der Unterstützung des Eisenbahn-Pionierregiments Walddrehna der NVA die Fertigstellung der in der Bevölkerung als "Raketenbahn" bezeichneten Verbindung. Die Döllnitzbrücke war seit Anfang der 1980er Jahre im Bf Oschatz eingelagert.
Mit einer Betriebslänge von über 15 km war das Gleis der längste strategische Streckenneubau in Ostdeutschland. Die Abzweigweiche in der Strecke Leipzig - Dresden wurde am 15. August 1986 verlegt. Die Anschlussweiche des Streckenendes lag bei km 15,279 = km 140,575 JR am Stellwerk W 1 des Bahnhofs Röderau. Am 20. Januar 1987 konnte der Gleisbau abgeschlossen werden.
Außer der Stahlbrücke über die Döllnitz und den Auflagerbänken an den Elbdeichen bei Forberge existierten keine nennenswerten Ingenieurbauwerke, auch gab es keine Zwischenbahnhöfe. Da die Strecke bis vor Strehla der alten Schmalspurtrasse folgte, waren Steigungen bis 1:60 zu bewältigen. Außerdem kreuzte das Gleis eine Vielzahl von Straßen und Feldwegen. Ungewöhnlich war die Kilometrierung der Strecke in Form von kleinen Blechtafeln, die mit den Schienenbefestigungen verschraubt waren. Die letzten 360 m der Strecke waren von einer Oberleitung überspannt.
Das Brückengerät und der zur Montage der jeweils 34 t schweren Träger erforderliche Vorbaukran ESB-KA waren zerlegt im Oberbauwerk Wülknitz eingelagert. Der Vormontageplatz auf der Röderauer Elbseite verfügte über ein Anschlussgleis und eine Zufahrtsstraße.

Der sich abzeichnende Wandel in den politischen und militärischen Verhältnissen überschattete die Freigabe der Strecke am 20.03.1987. An der Awanst Schmorkau existierte ein kleines Blockhäuschen. Die Sicherung erfolgte in Abhängigkeit zum Oschatzer Stellwerk B 2 bzw. zum Blocksignal B in Bornitz. Im Oktober 1987 übergab die Militärverwaltung die Umgehungsstrecke an die Reichsbahn, die aber keine Verwendung dafür hatte. Auch die Geheimniskrämerei hatte ein Ende, wie die Erwähnung des Gleises in einem transpress-Buch von 1989 beweist.
Anfang der 1990er Jahre war sogar eine Umspurung auf 750 mm im Gespräch, um die Strecke für die Oschatzer "Döllnitzbahn" nutzbar zu machen. Der Betonschwellenoberbau stellte jedoch eine große Hürde dar. Obwohl die örtliche Industrie und Bevölkerung Interesse an der Aufnahme eines Güter- bzw. Personenverkehrs zeigten - egal in welcher Spurweite - blieb die "Raketenbahn" bis 1993 ein Schrottplatz für hunderte ausgemusterte Güterwagen. Am 01.12.1992 wurde die Strecke offiziell stillgelegt.
Bei Forberge bestand bis 1993 eine interessante Gleiskreuzung mit der Feldbahn der örtlichen Ziegelei. Da das Streckengleis ohnehin verwaist war, hatte man die 600-mm-spurigen Gleisjoche direkt auf die Schienenköpfe gelegt.
Der Ausbau der Abzweigweiche in der Awanst Schmorkau im Dezember 1996 besiegelte das Schicksal der Strecke. Das Elbehochwasser im August 2002 zerstörte die Gleisanlagen des Vormontageplatzes. Der rechtselbische Streckentorso wurde anschließend um ca. 300 m gekürzt, der Rest ab km 14,100 verblieb als Ladegleis des Kieswerkes Bobersen. Im März 2003 begann eine Löbauer Firma mit der Demontage des Gleises zur Schrottgewinnung zwischen der Awanst Schmorkau und dem BÜ Oschatzer Straße bei Strehla. Im Jahr 2006 baute man als Ausgleichsmaßnahme den Bahndamm zwischen km 13,529 und 13,885 zurück.
Im Juni 2018 wurde auf der Trasse zwischen Schmorkau und Liebschützberg ein Radweg eröffnet. [1],[2],[3],[4],[5],[6],[7]

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Quellen

[1] Kenning: "Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff", Verlag Kenning, Nordhorn 2000
[2] Bley: "DDR-Reichsbahn und Vorbereitung", VBN Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2005
[3] Sächsische Zeitung vom 24.06.2003
[4] Informationen von T. Pohl
[5] Informationen von N. Kunick
[6] Verfügung des Eisenbahn-Bundesamtes, Außenstelle Dresden vom 30.09.2014
[7] Wagner, Wunderwald: "Die Schmalspurbahn Oschatz - Strehla", Wilsdruffer Bahnbücher, Nossen 2011