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Eisenbahnen in Sachsen


Torgau — Belgern
Vorgeschichte und Bau

Die an der Elbe zwischen Riesa und Torgau gelegene Kleinstadt Belgern bemühte sich erstmals 1878 um einen Bahnanschluss an die sechs Jahre zuvor eröffnete Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn. Ein Projekt aus dem Jahr 1893 sah eine Elbtalstrecke zwischen Torgau, Strehla und Riesa vor, die Belgern zu einer Bahnstation verholfen hätte. Die nochmals Mitte der zwanziger Jahre aufgegriffene Idee scheiterte jedoch am sächsischen Desinteresse, zumal das an der Elbe gelegene Strehla bereits eine schmalspurige Eisenbahnanbindung besaß. Ungünstig war sicher auch der Umstand, dass Belgern keinen Elbhafen aufweisen konnte.
Mit der Unterstützung des preußischen Kriegsministeriums entstanden nach 1900 Pläne für eine normalspurige Zweigbahn Torgau - Belgern. Die Strecke sollte vor allem die militärischen Anlagen der Dahlener Heide besser erschließen. Das hoffnungsvolle Projekt wurde vorerst von den örtlichen Behörden angesichts zu hoher Baukosten gestoppt. Der Unmut der Bevölkerung spiegelte sich in einem Zeitungsartikel vom März 1908 wieder: »Dieser Landstrich muß seinen gesamten Verkehr mit der Kreisstadt [...] auf der Landstraße bewerkstelligen, welche sich dazu noch in einem schlechten Zustand befindet. Um diesen Notstand abzuhelfen, bemüht man sich nun schon seit mehr als 30 Jahren, um eine Bahnverbindung zu erlangen. Man hat sich dabei in Belgern und Torgau die erdenklichste Mühe gegeben, aber alles ist umsonst gewesen, denn die sächsische Eisenbahnverwaltung lehnt es, wenn es über Belgern hinaus in Richtung Riesa oder Oschatz gehen soll, nicht bloß ab, sich an einem Bahnbau zu beteiligen - sie scheint überhaupt keinen Anschluß an die preußische Seite zu wollen. Nun sollte man doch wenigstens der Stichbahn nach Belgern eine Chance geben, denn sie erschließt nicht bloß mit ihrer Endstation Belgern einen hochentwickelten Landwirtschaftsbereich, sondern auch die Ortschaften jenseits der Elbe werden sich dann der eisenbahnnäheren Station Belgern statt wie bisher Falkenberg zuwenden.«

Am 30.06.1911 verabschiedete der preußische Landtag das Gesetz zum Bau und Betrieb der Nebenbahn Torgau - Belgern. Die Industrie rund um Belgern erwartete ungeduldig das neue Verkehrsmittel. Zum Jahresbeginn 1913 wurde für die Vorarbeiten in Torgau eine Bauabteilung eingerichtet. Trotz mehrerer Einwände der Anlieger, die zu Trassenkorrekturen führten, konnte das Schöneberger Eisenbahnregiment Nr. 1 am 27.07.1914 mit den Bauarbeiten beginnen. Im Rahmen militärischer Übungen sollten diese in kürzester Zeit abgeschlossen werden, der Beginn des Ersten Weltkriegs verzögerte jedoch die Ausführung. Immerhin konnte bereits am 13.11.1914 eine Prüfungsfahrt bis Mehderitzsch stattfinden, so dass dieser Abschnitt drei Tage später zunächst für den öffentlichen Güterverkehr zur Verfügung stand. Die Reststrecke wurde am 29.12.1914 abgenommen und der Güterverkehr bis Belgern am 2. Januar des neuen Jahres eingeführt. Der Endbahnhof verfügte über acht Gleise, von denen das längste (520 m) dem Militärverkehr diente. [1],[3]

Betrieb und Stilllegung

Nach Fertigstellung der Hochbauten und Bahnsteige war am 01.04.1915 der Tag gekommen, auf den die Bevölkerung zwischen Torgau und Belgern Jahrzehnte hatte warten müssen: Um 12 Uhr traf der erste Personenzug auf dem Bahnhof Belgern ein, begrüßt von zahlreichen Anwohnern und dem Bürgermeister der Stadt.
Die Überführung der Eilenburger Straße wurde erst 1916 vom Bauunternehmen Mölders & Cie. aus Hildesheim fertiggestellt.
Der Haltepunkt "Entenfang", benannt nach einem nahe gelegenen Gasthof, wurde nur angelegt, weil die Stadt Torgau der Königl. Eisenbahndirektion Halle mit Vertrag vom 16.03.1914 die benötigten 1500 mē Land lastenfrei überließ. Im November 1923 genehmigte das Reichsverkehrsministerium die Auflassung des Haltepunktes zum 20. Dezember des Jahres. Dem voraus gegangen war ein Schreiben vom 17.10.1923: »Der Verkehr von und nach dem Haltepunkt Entenfang ist derartig verschwindend gering, daß das Anhalten der Züge und die bauliche Unterhaltung des Haltepunktes sehr unwirtschaftlich ist. Es ist deshalb angeregt worden, den Haltepunkt gänzlich aufzuheben. [...]«
Bis 1928 verkehrten die anfangs drei täglichen Zugpaare als gemischte Personen- und Güterzüge, danach trennte die Reichsbahn die Verkehrsarten zur Reisezeiteinsparung. In den 1930er Jahren kam sogar ein Triebwagen zum Einsatz.
Das Mehderitzscher Empfangsgebäude wurde 1933 durch einen Brand schwer beschädigt und vereinfacht wieder aufgebaut.

Im Jahr 1960 erhielt das Steinzeugwerk Belgern ein eigenes Anschlussgleis in Verlängerung der Strecke, wofür eine Straßenüberfürung erforderlich wurde. Trotz eines konstanten Verkehrsaufkommens stellte die Deutsche Reichsbahn den Personenverkehr am 30.09.1962 überraschend ein. Ein Grund dafür war die parallel verlaufende Fernverkehrsstraße mit ihrem dichten Linienbusverkehr und kürzeren Reisezeiten.
Die Ladestellen Pflückuff und Mahitzschen wurden 1971 geschlossen. Das Steinzeugwerk sorgte bis 1991 für die gelegentliche Befahrung der Strecke, danach wurde das Gleis nur noch für das Militär vorgehalten. Eine Ausnahme stellte die Sonderfahrt der "Interessengemeinschaft zur Bereisung von Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken e.V." (IBSE) am 03.10.1991 dar. Der Schienenbus VT 171 034 gelangte damals bis Belgern. Die 1994 angedachte Nutzung der Bahnstrecke für den Abtransport von Rohstoffen des Kieswerks Liebersee zerschlug sich aufgrund des fehlenden Gleisanschlusses im Abbaugebiet und der Sanierungskosten der bestehenden Strecke. Am 31.12.1995 folgte die offizielle Stilllegung der Nebenbahn Torgau - Belgern, der Rückbau begann erst im November 2004. Die Stationsgebäude wurden privatisiert, ein Teil des Bahnhofs Belgern mit einem Einkaufsmarkt überbaut. [1],[2],[3]

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Quellen

[1] Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau: Bestand G 12 Deutsche Reichsbahn, Rbd Halle (Teilbestand Reg. II), Signaturen 441, 5290
[2] Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau: Bestand G 12 Deutsche Reichsbahn, Rbd Halle (Teilbestand Reg. A), Signatur 929
[3] Scheffler: "Torgau - Belgern" aus "Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland", Sammelwerk GeraNova-Verlag