U-VerlagerungLohmen, Stollenauffahrung Herrenleite - Objekt Carnallit / Rogenstein / Dachs 7Anfang August 1944 begannen in der Herrenleite bei Lohmen unter den Decknamen Carnallit und Rogenstein die Arbeiten an zwei Stollensystemen. Die Sandsteinbrüche der "Alten Poste" waren dazu ideal geeignet. Das Gelände war abgelegen, besaß aber seit 1907 einen Gleisanschluss zum Bahnknoten Pirna. Über Tage errichtete man die Destillationsanlagen Ofen 19-22 für die "Deutsche Gasolin AG" Berlin, deren Werke in Emmerich (Rhein) und Dollbergen bei Hannover durch Luftangriffe zerstört waren. Noch 1944 konnte die Fertigung aufgenommen werden. Verarbeitet wurde Erdöl aus dem Wiener Becken bei Zistersdorf, das per Bahn in Kesselwagen eintraf. Zu diesem Zweck erhob man am 01.01.1945 die bis dahin unbedeutende Ladestelle Mockethal an der Güterbahn zum Bahnhof. Vorhanden war auch eine eigene Diesellok. Gelagert wurde das Öl in vier Betontanks mit insgesamt 24 000 m³ Fassungsvermögen. Weitere Betonbecken nahmen die Zwischenprodukte und Rückstände der Verarbeitung auf. Einen Teil der Abfallprodukte verkippte man vor Ort. Die Anlagensteuerung erfolgte von Hand. Den Dampf erzeugten 6 ausrangierte polnische Lokomotivkessel, die auf Fundamente montiert wurden. Eine Pumpstation an der Elbe förderte über 4 km und 123 Höhenmeter das Wasser zur Anlage, die Stromversorgung bestand aus zwei 20 kV-Leitungssystemen. Für die Anlage Dachs 7 wurden 8 000 m² der geplanten 40 000 m² Stollen aufgefahren. Ab Januar 1945 kamen dabei KZ-Häftlinge zum Einsatz, die in einer ehemaligen Kiesgrube in Zatzschke untergebracht waren. Die Arbeiten an den sieben begonnenen Stollen mussten zum Kriegsende abgebrochen werden. Eine weitere Stollenauffahrung betraf die Verlagerung der Flugzeugfertigung der "Mitteldeutschen Motorenwerke AG" in Taucha. Noch 1945 wurden von der Roten Armee mehrere mit Sprengstoff beladene Güterwagen im Zugangsstollen der Dachs-Anlage zur Explosion gebracht. Die herabgestürzten Teile der Bruchwand verschlossen das Stollenportal.
Zu DDR-Zeiten wurden mehrere Suchstollen angelegt, um den Zustand der Hohlräume für eine mögliche militärische Nutzung zu prüfen. Da das Stollensystem durch die russische Sperrsprengung unbrauchbar geworden war, fuhr der Schachtbau Nordhausen zwischen 1984 und 1986 etwa 200 m südlich eine neue Anlage als "Objekt 631" bzw. "UTA Lohmen" nach Plänen des "Projektierungsbüro Süd" Dresden auf. Die Anlage sollte der NVA als Komplexlager 32 dienen. Das Stollensystem besteht aus vier Querschlägen zwischen den beiden Hauptstollen (6 x 6 m) und mehreren seitlichen Kammern unterschiedlicher Länge. An den rechten Zufahrtsstollen schließt sich ein hermetisch abschließbarer, zweietagig ausgebauter Stollenbereich für das Personal an. Im Fels oberhalb existieren zwei Lüftungsstrecken. Nach Auskunft eines Zeitzeugen hatte man mit hoher Luftfeuchte zu kämpfen. Das Komplexlager wurde um 1987 technisch ausgestattet (Ventilations- und Filteranlagen, Wasserversorgung, Elt-Anlage). Ein Seitenstollen war für die Aufnahme der Netzersatzanlage (evtl. mobile Geräte) vorgesehen. Eine Dispatcherzentrale, wie in den größeren Komplexlagern, existierte jedoch nicht. Die Inbetriebnahme wird auf das Jahr 1988 datiert - als letzter Neubau eines Komplexlagers in der DDR.
Bis 2000 nutzte die Bundeswehr das Gelände als Gerätedepot. Im November 1999 verschloss man alle Stollenzugänge professionell durch massive Beton- und Ziegelwände. Auffindbar sind im Gelände sieben verwahrte Mundlöcher, darunter der so genannte "Bärenstollen" aus der Zeit des Sandsteinabbaus. Ein Zugang führte in eine 75 x 25 m große Halle, in der nachweislich zwischen 1961 und 1983 radioaktiv kontaminierte Abfälle des ZfK Rossendorf eingelagert wurden. In eine achte Stollenauffahrung wurden Versatzmassen eingebracht, so dass nicht feststellbar ist, ob sich der Stollen evtl. mit geringerem Querschnitt fortsetzt. Es könnte sich um einen Suchstollen oder einen Teil von Dachs 7 handeln.
Fotos
  
  
 
  
 
Stabsgebäude

Sozialgebäude

Stollenzugänge
 
Lüftungsstrecken
 
"Bärenstollen"
 
weitere Stollenreste
  
Eisenbahnanschluss
  
QuellenBergner, Paul: "Programm Delphin", Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis/Meiningen 2007 BILD Dresden vom 13.04.1995 ph.railserve.de www.geschichte-pirna-de www.team-delta.info
© 2008 Jens Herbach
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