U-VerlagerungKönigstein, Sandsteinbruch Niedere Kirchleite - Objekt Eisenrose / Orion 1 / Schwalbe 2Im Jahr 1943 fanden am Sandsteinmassiv des Steinbruches Niedere Kirchleite, gelegen am linken Ufer der Elbe zwischen Königstein und dem Struppener Ortsteil Strand, erste Sicherungs- und Vermessungsarbeiten statt. Das zur Stadt Königstein gehörende Gelände lag verkehrsgünstig in unmittelbarer Nähe der Eisenbahnstrecke Bodenbach - Dresden. Gegenüber den Anwohnern deklarierte man das Vorhaben als geplanten Bau einer "Nudelfabrik". Am 15.11.1944 begann ein Außenkommando des KZ Flossenbürg im Rahmen des "Geilenberg-Programmes" mit dem Vortrieb von Stollen für das Objekt Eisenrose. Bis zu 1000 Häftlinge waren dabei eingesetzt. Die OT-Sonderbauleitung befand sich in Königstein auf der Schandauer Straße 143. Insgesamt sollten 23 Stollen entstehen. Ziel war der Einbau der unterirdischen Anlage Schwalbe 2 zur Destillation von Flugbenzin durch die "Braunkohle-Benzin AG" (BRABAG) Magdeburg. Die fertige Anlage hätte eine Fläche von ca. 80 000 m² belegt, die Inbetriebnahme war für November 1945 vorgesehen. Die Materialanlieferung erfolgte vermutlich über den Bahnhof Kurort Rathen, den man kurz vor Kriegsende nachweislich um drei Gleise erweiterte. Ausführendes Unternehmen war hier die Firma "Kohl & Co.", hinter der sich die OT verbarg. Das gleiche Unternehmen sollte auch die technische Ausstattung in den Stollen montieren. Die Fa. Schmasel war für den Straßenbau und die Baufreimachung im Steinbruch zuständig. Auf Feldbahngleisen transportierte man das ausgebrochene Gestein in Richtung Rathen. Die Talstraße in der Ortslage Strand wurde um 4 - 5 m aufgeschüttet. Mehrere Wohnhäuser in Bereich der Anlage, darunter eine Gaststätte und ein Bahnwärterhaus, mussten abgebrochen werden. Ein weiteres Projekt ist unter dem Decknamen Orion 1 verzeichnet. Die U-Verlagerung sollte eine Stickstoffproduktion der IG Farben aufnehmen.
Aufgefahren hat man 20 Längsstollen unterschiedlicher Länge (der längste misst über 130 m) mit einem Querschnitt von ca. 3 x 3 m. Die Mundlöcher wurden zumeist ummauert, die Eingänge sind säuberlich durchnummeriert. Einige der Stollen enden nach wenigen Metern und die vorhandenen Bohrlöcher für die Sprengladungen künden vom plötzlichen Abbruch des Vorhabens am 17.03.1945. Die Querstollen sind zumeist nur ansatzweise vorhanden. Etwa 1,4 km Stollenquerschnitt wurden bis zum Bauende ausgebrochen. Die Stollen 7, 8 und 9 sind mit einer ca. 20 x 15 m großen und 10 m hohen Halle verbunden. Im Stollen 9 ist auch der Anfang eines Schachtes zur Oberfläche zu entdecken. Angeblich wurden Anfang 1945 drei Schächte abgeteuft. Die Stollen 3 und 5 liegen ca. 20 m oberhalb der Bruchsohle, was auf ihre Bestimmung als Wetterstrecke schließen lässt. In der Felswand befindet sich auch noch eine überdachte Nische, die wohl als Beobachtungsposten diente. Am östlichen Ende des Areals befinden sich die Stollen 2 und 4, die in der DDR für geophysikalische Messungen des "Zentralinstitus für Physik" in Potsdam genutzt wurden. Der Querstollen dazwischen ist insgesamt ca. 180 m lang. Der Zustand der Stollen ist durchweg gut, Einbauten sind keine vorhanden. Zwischen Juni und August 1945 wurden auf Anordnung der Roten Armee alle technischen Anlagen demontiert und zum Bahnhof Rathen verbracht. Bis 1953 waren in den Stollen Gerätschaften der damaligen "Kasernierten Volkspolizei" eingelagert, danach sicherte die NVA das Gelände. Versuche des Forstwirtschaftsbetriebes, eine Champignonzucht aufzubauen, scheiterten aus Kostengründen.
Das Gelände ist mehr oder weniger dicht umzäunt und wird am Westende seit Mai 1993 als Schießstand genutzt. Der letzte Stollen der Anlage beherbergt die Waffenkammer (also doch noch eine "militärische" Nutzung ...). Da die steil aufragenden Felswände verbruchgefährdet sind, sollte man auf unangenehme Überraschungen von oben vorbereitet sein!
Grundriss
360°-Panorama
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Fotos
  

Posten

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Stollen 19

Stollen 20
QuellenBergner, Paul: "Programm Delphin", Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis/Meiningen 2007 www.geschichte-pirna-de www.keom.de www.team-delta.de
© 2008 Jens Herbach
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