Verborgenes und Verbotenes im Osten


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U-Verlagerungen

Die Errichtung bzw. Verlagerung von Produktionsstätten in nicht einsehbare und bombengeschützte Bereiche begann etwa 1943. Die Orte wählte man u.a. nach geologischer Stabilität, fehlendem Sickerwasser (zumeist Sand- oder Kalkstein) und der vorhandenen Infrastruktur (Straßen- und Bahnanschluss) aus. Zu Beginn unterschied man nach A-, B- und S-Vorhaben. In Sachsen sind dazu keine Objekte vorhanden.
Die Decknamen wurden durch das "Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion" gemäß der "Grundsätze für die Tarnbezeichnungen unterirdischer Verlagerungsbauten" vom April 1944 festgelegt. Folgendes Schema wurde dabei (weitgehend) berücksichtigt:
   Schachtanlagen/Tiefstollen:  Tiernamen
   bestehende Stollen:          Fischnamen
   Eisenbahn-/Straßentunnel:    Vogelnamen
   Festungsanlagen:             Pflanzennamen
   natürliche Höhlen:           Münznamen
   Stollenneuauffahrungen:      Mineralien
   Bunkerneubauten:             männliche Vornamen
   bestehende Keller:           weibliche Vornamen
Die vorgesehenen Produktionsanlagen der Chemie- und Mineralölindustrie besaßen eigene Decknamen. In Sachsen waren dies Dachs, Jakob, Karpfen, Molch, Ofen und Schwalbe. Diese wurden lediglich durchnummeriert.
Das Projekt Dachs war eine Raffinieranlage zur Verarbeitung von Erdöl und Erdölrückständen. Erzeugt wurden Schmieröl, Diesel, Benzin und andere Produkte. Die Anlagen erforderten ca. 26 000 m² Fläche in 16 Produktions- und mehreren Nebenstollen.
Jakob war eine einfache, zumeist oberirdisch konzipierte Destillieranlage, die eine Anlage Ofen benötigte.
Mit Molch tarnte man ober- oder unterirdische Anlagen zur Phenolgewinnung.
Hinter der Bezeichnung Ofen verbirgt sich eine Kleindestillationsanlage, die zumeist als Vorstufe der Dachs-Projekte zum Einsatz kommen sollte. Der Platz- und Materialbedarf war gering und die Aufstellung konnte auch oberirdisch erfolgen.
Die Anlagen Schwalbe dienten der Dehydration von Steinkohlenteer zur Erzeugung von Treibstoffen. Die technische Ausrüstung war umfangreich.

U-Verlagerungen Industrie

  • Achat - Großbothen, Stollenauffahrung
  • Azurit - Plauen, Kalkbergwerk, VOMAG, ab 1937 in 3 Ebenen ausgebaut, für 7...8000 Personen
  • Carnallit/Rogenstein - Dachs 7/Ofen 19-22 - Lohmen, Herrenleite
  • Christa - Dresden-Südvorstadt, Feldschlößchenbrauerei
  • Eichhörnchen - Altenberg, Schaubergwerk, Sachsenwerk Niedersedlitz/Radeberg
    (Motoren/Funkmessgeräte), 1100 m²
  • Eisenrose - Orion 1/Schwalbe 2 - Königstein, Niedere Kirchleite
  • Eleonore - Altenburg, Kommunebrauerei
  • Else - Görlitz, Landskronbrauerei
  • Flamingo - Rochsburg, Eisenbahntunnel, Gläser Karosserie Dresden (Me 262-Teile), 2000 m²
  • Gisela - Altenburg, Riebeckbrauerei
  • Granulit - Lengenfeld/Vogtl., Windmühlenberg
  • Karausche - Eilenburg, Bergkeller, Eilenburger Motorenwerke
  • Katharina - Zwickau, Vereinsbrauerei
  • Knurrhahn - Herold, Kalkbergwerk, Junkerswerke/Venuswerke AG (Flugzeugzubehör), 8000 m²
  • Konstanze - Tharandt, Keller
  • Kuno - Herrnskretschen, Sandsteinbruch, Adam Opel AG Chemnitz (Instandsetzung), 2200 m²
  • Martha - Dresden-Plauen, Felsenkellerbrauerei
  • Melanit - Annaberg, Gneisbruch "Großer Riß", AEG (Schalter), 1000 m²
  • Mondstein - Schwalbe 3 - Porschdorf, Polenztal
  • Nanny - Plauen, Aktienbrauerei
  • Okapi - Gersdorf b. Chemnitz, Steinkohleschächte Pluto und Merkur, Carl Hamel AG Siegmar-Schönau (Getriebe)
  • Ottilie - Radebeul-Kötzschenbroda, Brauerei Große
  • Pechblende - Einsiedel b. Chemnitz, Stollenauffahrung
  • Rauchquarz - Molch 3/4 - Miltitz b. Meißen, Kalkbergwerk, IG Farben Auschwitz, 8000 m²
  • Rüdiger - Kamenz-Wiesa, Steinbruch Koschenberg
  • Schill 1 - Braunsdorf b. Wilsdruff, Dolomitwerk
  • Schrätzer - Hammerunterwiesenthal, Kalkbergwerk
  • Schwalbe 5 - Berga, Elstertal
  • Seezunge - Chemnitz-Rabenstein, Schaubergwerk, Maschinenfabrik Pfauter Chemnitz (Fräsmaschinen), 5000 m²
  • Sylvinit - Schmiedeberg
  • Tegel - Heidenau-Gommern, Lugberg
  • Tilde - Zwickau, Unionsbrauerei
  • Vera - Chemnitz-Altendorf, Schlossbrauerei
  • Zander - Nentmannsdorf, Kalkbergwerk
  • ----- - Friedrichswalde, Kalkbergwerk Bahratal, Zeiss-Ikon AG Jena (Kreiselgeräte), 8000 m²
  • ----- - Görlitz, Granitbruch, Elektrowerkstatt Görlitz (Flugzeugtechnik), 500 m²
  • ----- - Maxen, Kalkbergwerk, Zeiss-Ikon AG Dresden (Bildwandler), 2000 m²
  • ----- - Steinbach b. Mohorn, Kalkbergwerk, Brückner Kanis & Co. Dresden (Turbopumpen), 1300 m²
  • ----- - Triebes, Grünsteinwerke, BRABAG Böhlen (Teereinlagerung)


Auslagerungen Kunst- und Kulturgüter


Übertage-Verlagerungen

  • Jakob 2 - Hirschfelde, Kemmlitzbachtal
  • Jakob 3/4 - Berbersdorf, Striegistal
  • Jakob 7 - Großstöbnitz
  • Jakob 8 - Haselbach, Kammerforst
  • Karpfen 4 - Leipzig
  • Karpfen 5 - Böhlen
  • Karpfen 6 - Plauen
  • Karpfen 7 - Chemnitz
  • Karpfen 8 - Heidenau
  • Karpfen 10 - Görlitz
  • Molch 1 - Obermolbitz b. Altenburg, DEA-Brikettfabrik
  • Molch 2 - Rohnau, Neißetal, ASR Hirschfelde
  • Molch 5 - Niederau b. Meißen, Rütgerswerke, geplant
  • ----- - Dohma, Steinbruch, IG Farben

Quellen

Wichert, Hans Walter: "Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des zweiten Weltkrieges",
Verlag Joh. Schulte, Marsberg 1993
Schulz, Heinz: "Rüstungsproduktion im Raum Dresden 1933-1945",
Arbeitskreis Sächsische Militärgeschichte e.V., Dresden 2005
U.S. Strategic Bombing Survey: Oil Division Final Report,
Appendix B - Strategic Air Attack on the Lubricating Oil Industry, 1947
www.u-verlagerung.de
team-delta.info/wiki


© 2007 Jens Herbach

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