Verborgenes und Verbotenes im Osten


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Flugplatz
Neu-Welzow, 11 ORAP
Bunkertypen: 10x GDF 1/16, 14x GDF 2/13, 1x SBK

Zwischen 1928 und 1930 fanden auf dem "Bahnsdorfer Platz" bei Welzow erste Passagierflüge mit einem zweisitzigen Tiefdecker statt. Anfang der 30er Jahre erlebte der Flugplatz Welzow zahlreiche Veranstaltungen im Motor- und Segelflug. Öffentliche Flugtage mit Fallschirmsprüngen und Luftschiff-Rundfahrten erfreuten sich großer Beliebtheit. Am 24.07.1934 wurde eine Flugzeughalle eingeweiht.
Ab Juni 1936 gehörte Welzow zum Luftgaukommando IV und wurde als Ausbildungsplatz genutzt. In der Folge baute die Luftwaffe den Feldflugplatz zum Fliegerhorst aus. Neben Unterkunfts-, Betriebs- und Sozialgebäuden, mehreren Flugzeughallen sowie einer Ringrollbahn entstand auch ein Tanklager mit Gleisanschluss zur Eisenbahnstrecke Hoyerswerda - Neupetershain.
Zuletzt waren in Welzow das Jagdgeschwader 6 und die Fernaufklärungsgruppe 11 stationiert. Mit dem Einmarsch der russischen Truppen in Welzow sprengte man die Flugzeughallen und einen Großteil der Betriebsanlagen.

Am 20.04.1945 besetzte die Rote Armee den Fliegerhorst, der jedoch für den Flugbetrieb vorerst nicht brauchbar war. Mehrere Baracken der Luftwaffensoldaten wurden ab Herbst 1945 als Flüchtlingsunterkunft eingerichtet.
Ein Vorkommando begann 1950 mit dem Wiederaufbau des Flugplatzes. Um 1952 startete der planmäßige Ausbau zum sowjetischen Militärflugplatz für das 11. Aufklärungsfliegerregiment. In der Zschoppoheide wurden umfangreiche Rodungen vorgenommen und bis Mai 1953 durch die Bau-Union Dresden eine 2500 m lange und 80 m breite SLB angelegt. Hinzu kamen eine Ringrollbahn und zahlreiche Splitterschutzboxen. Der Flugplatz wuchs auf 630 ha und damit zur dreifachen Größe an. Fortan galt die Bezeichnung "Neu-Welzow".
Zwischen Juli und Dezember 1958 entstand im Wald westlich des Flugplatzes eine 2 km lange und 12 m breite Hilfs-SLB mit weiteren Abstellflächen. Die zweigleisige Eisenbahnstrecke nach Cottbus wurde dazu niveaugleich an einem besetzten Schrankenposten überquert!
Im Zeitraum 1969/70 errichtete man am Ringrollweg auf der Westseite zehn Bunker des seltenen Typs GDF 1/16, die fünf Jahre später im südlichen Flugplatzbereich durch Bogendeckungen GDF 2/13 ergänzt wurden. Zwischen Juni und Oktober 1974 legte man parallel zur vorhandenen SLB eine weitere, nur 37 m breite Start- und Landebahn an.
Letzte Baumaßnahmen fanden 1983 (Ausbau der Vorstartlinie) und 1987 (neue Staffelgebäude) statt. Die letzten Maschinen verließen am 15.06.1993 den Standort.

Bereits im April 1993 wurde die "Flugplatzbetriebsgesellschaft Welzow mbH" gegründet und in den folgenden zwei Jahren durch ABM-Kräfte der Platz beräumt. Der Tower wurde rekonstruiert und die Infrastruktur modernisiert. Im August 1996 konnte die Zulassung als Verkehrslandeplatz erteilt werden. Ein kleines Museum bewahrt die wechselvolle Geschichte des Flugplatzes.
Der Flugplatz Neu-Welzow ist eines jener militärischen Objekte, das man vergebens auf topografischen Karten sucht. Selbst die Existenz der Anlagen aus den 30er Jahren wurde verschwiegen. Mittlerweile ist die Orientierung vor Ort aber dank hochauflösender Satellitenbilder kein Problem mehr.
Die derzeitige Energiepolitik könnte langfristig das Aus für den Flugplatz und die umliegenden Ortschaften bedeuten: Tief unter der Rollbahn liegen abbauwürdige Braunkohleflöze ...

Funkfeuer

Fotos





Hilfs-SLB



Flugzeugbunker GDF 1/16













Bogendeckungen GDF 2/13















Splitterschutzboxen



Wachbunker





Kleinbunker















Wasserwerk



Flugzeughallen



Unterkunftsgebäude









Munitionslager





Objekt bei Lindenfeld





Verschiedenes









Quellen

www.flugplatz-welzow.de
Freundt, Lutz: "Sowjetische Fliegerkräfte Deutschland 1945-1994", Edition Freundt, Diepholz 1998


© 2007 Jens Herbach