Verborgenes und Verbotenes im Osten


Home

Links

Abkürzungen

Typenbauten

Bunker 3D

Standorte

Gästebuch

Impressum

Disclaimer


Nachrichtenbunker
Lobetal, 897 OBS

Ende der 30er Jahre beschlagnahmte die Militärverwaltung ein 54 ha großes Wald- und Wiesengebiet aus dem Besitz der Hoffnungstaler Anstalten bei Lobetal. 1939 begannen, getarnt als Nachrichtenschule und unter dem Decknamen Koralle, die Bauarbeiten für ein Nachrichtenobjekt der Kriegsmarine. Errichtet wurde 1940/41 ein zweigeschossiges massives Landhaus als Funkempfangsgebäude. Unter dem abgewinkelten Bau legte man einen ebenfalls zweigeschossigen Tiefbunker mit einer Netto-Grundfläche von 1560 m² an. Die Bunkerdecke des rund 70 m langen Bauwerkes ist ca. 1,5 m dick, die Außenwände zwischen 90 cm und 1,5 m.
Vier, je 100 m hohe Stahlgittermasten trugen die Empfangsantennen, ein weiterer 60 bis 80 m hoher Mast eine Richtfunkantenne.
Am 30.01.1943 wurde der Stab des Befehlshabers der U-Boot-Flotte, Admiral Dönitz, nach Lobetal verlegt. Bis Jahresende errichtete man eine Villa für Dönitz und ein Offizierscasino. Zeitgleich bezog auch das Oberkommando der Kriegsmarine das Objekt.
Noch 1944 entstanden zwei weitere oberirdische Bunker: der zweigeschossige Lagebunker, der später einen Aufsatz für ein Flak-Geschütz erhielt, sowie ein dreigeschossiger Truppenmannschaftsbunker vom Typ T 750. Mehrere Leichtbaubaracken, Feuerlöschteiche und verbunkerte Postentürme ergänzten die Anlagen.
Bereits im Februar 1945 zog der Stab aus Lobetal ab. Am 21./22. April des Jahres evakuierte man das Objekt angesichts der näher rückenden Front. Die Funkanlagen und der Notstromgenerator wurden unbrauchbar gemacht.

Die beiden Hochbunker wurden 1945/46 gesprengt. Die massiven Trümmer der bis zu 3,5 m starken Decken und Außenwände ziehen bis heute Kletterer und Abenteuerlustige an, obwohl das Betreten nicht ungefährlich ist. Der Flakbunker erhielt zu DDR-Zeiten Aufmauerungen, um ihn als Häuserkampfobjekt nutzbar zu machen.
Der Nachrichtenbunker wurde im Treppenhaus angesprengt, wodurch Grundwasser in die untere Etage eindrang. Als die GSSD zu Beginn der 60er Jahre den Bunker für ihre Zwecke ausbaute, betonierte man das untere Geschoss kurzerhand aus. Die einst großzügig bemessene Deckenhöhe ist somit auf ein Minimum geschrumpft. Trotzdem drang später immer wieder Wasser in das Bauwerk ein. Anstatt des Zuganges über eine Wendeltreppe nutzte man fortan den direkten Weg mittels eines Deckendurchbruches. Der frühere Hauptzugang mit seiner Treppenanlage, die nach dem Abriss des Gebäudes überflüssig wurde, wurde zu Notausstiegen umfunktioniert. Schleusenbereiche existierten nicht; die Kohleheizung für den Bunker und den Innenbrunnen behielt man bei. Neu hinzu kam eine Filterventilationsanlage, deren Blechkanäle ziemlich willkürlich durch die Gänge gezogen wurden.
Im Bunker soll eine Nachrichteneinheit tätig gewesen sein. Eine weitere Quelle spricht von einem "Ausweichführungspunkt für den Stab der 20. Armee", falls der Ausweich-GS bei Eberswalde nicht nutzbar gewesen wäre.

Am 23.05.2003 wurde das Bauwerk pressewirksam als Fledermausbunker eingeweiht. Die hölzernen Zwischendecken sind mittlerweile verrottet und größtenteils eingestürzt, das Untergeschoss wandelt sich immer mehr zur Tropfsteinhöhle. Die Fledermäuse scheinen sich aber wohl zu fühlen ...

Fotos

Die gelb markierten Fotos wurden bereitgestellt von A. Schäfer, Dresden. Vielen Dank!





Zugang (russischer Hauptzugang)





Notausstieg (deutscher Hauptzugang)



UG 1 - NEA









UG 1 - Wasserversorgung





UG 1 - Sanitäranlagen



UG 1 - Verbindungsgang



UG 1 - sonstige Räume





Verbindungstreppe



UG 2 - Filteranlage



UG 2 - Brunnen



UG 2 - Heizungsanlage



UG 2 - Sauna



UG 2 - Verbindungsgang





UG 2 - Sonstiges

Quellen

Best, Stefan: "Geheime Bunkeranlagen der DDR", Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2004
Bergner, Paul: "Programm Delphin", Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH,
Zella-Mehlis/Meiningen 2007
www.truppenmannschaftsbunker.de
www.team-delta.de


© 2008 Jens Herbach