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Eisenbahnen in Sachsen


Bürgerschachtbahn Zwickau
Streckengeschichte

Im Dezember 1841 begann der "Erzgebirgische Steinkohlen-Aktienverein" (ESTAV) auf Marienthaler Flur mit dem Abteufen des Segen-Gottes-Schachtes. Ende November 1845 schloss man die Arbeiten bei 292 m Teufe ab. Am 13.12.1847 erhielt die Schachtanlage als erste im Zwickauer Revier einen direkten Gleisanschluss an die Zwickau-Werdauer Eisenbahn.
Etwa zur gleichen Zeit wie der ESTAV teufte die 1841 gegründete "Zwickauer Bürgergewerkschaft" ihren Schacht I ab. Bei 252,5 m stieß man Anfang 1846 auf das erste abbauwürdige Flöz. Die Arbeiten für den Hilfe-Gottes-Schacht begannen am 12.05.1851 und erreichten 1856 kohleführende Schichten.
Die Bauarbeiten für einen Gleisanschluss begannen am 16.08.1855. Ausgehend von der Staatskohlenbahn nach Cainsdorf konnte das Gleis zum Bürgerschacht I am 14.09.1857 in Betrieb genommen werden. Der Hilfe-Gottes-Schacht wurde 1858 über den Bürgerschacht I angeschlossen. Das Streckengleis endete am km 1,546. Als Gesamtlänge der Gleise verzeichnete man damals 2,6 km, vorhanden waren 15 Weichen.
Um 1874 entstand nach dem Abteufen des Bürgerschachtes II ein weiteres Anschlussgleis. Nach dem Kauf einer Rangierlok ergänzte man die Anlagen durch eine Lokomotivwerkstatt.
Der Segen-Gottes-Schacht stellte 1918 die Förderung ein, die Gleisanlagen blieben aber vorerst zum Anschluss einer Ziegelei bestehen. Ab dem 10.07.1920 gehörten die Anlagen der Bürgergewerkschaft zur ESTAV.
Mit dem Umbau des Zwickauer Bahnhofs waren in den 20er Jahren einige Veränderungen in der Gleisführung erforderlich. Die Tonwarenfabrik Fikentscher konnte nicht mehr direkt an das Bahnhofsgelände angeschlossen werden, sondern erhielt ein Gleis zur Bürgerschachtbahn. Eine Bogenbrücke über das Tal des Mittelgrundbaches im alten Anschluss wurde abgerissen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Gleis zum Segen-Gottes-Schacht, der ab dem 01.07.1923 von Osten her bedient wurde.
Die Schachtanlagen Hilfe-Gottes und Bürgerschacht II wurden 1925 bzw. 1930 stillgelegt, womit die Kohletransporte auf den Bürgerschacht I beschränkt waren. Beim Bau der Bürgerschachtstraße im Jahr 1935 musste ein Teil der Gleisanlagen verlegt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand südlich der Strecke eine Lackfabrik, die heute vom Unternehmen Cray Valley betrieben wird. Die Bürgerschächte wurden bis 1961 verfüllt. Am Schacht II zog im Oktober 1963 der staatliche Kohlehandel ein. Der größte Anschließer "VEB Lackharz" bekam zu Jahresbeginn 1966 die Bürgerschachtbahn als Industriebahn zugeordnet.
Anfang der neunziger Jahre war die Strecke noch vollständig vorhanden. Heute ist die Bürgerschachtbahn bis zum Gleisende an der Flurstraße befahrbar. Die Kunstharzfabrik besitzt umfangreiche Gleisanlagen, eine eigene Akku-Rangierlok und sorgt für die regelmäßige Bedienung der Strecke. In den Jahren 2000/01 erneuerte man die Gleise des Umschlagbereiches und baute die Anlage umweltgerecht aus. Die Anschlussgleise zu den übrigen Firmen sind abgebaut bzw. deren Abzweigweichen entfernt. Die teilweise erst nach 1945 errichteten Anlagen des Werkstättenbahnhofs verfallen und werden wieder von der Natur in Besitz genommen. [1],[2],[3],[4]

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Quellen

[1] Steinkohlenbergbauverein Zwickau: "Der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier", Verlag Förster & Borries, Zwickau 2000
[2] "Zwickauer Wochenspiegel" vom 10.12.1997
[3] Informationen von U. Schickedanz
[4] Informationen von J. Witte