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Eisenbahnen in Sachsen


Nebitzschen - Kroptewitz
Streckengeschichte

Im Juli 1883 begann der Kemmlitzer Gutsbesitzer Riedel mit dem Abbau von Kaolin, einem Grundstoff für die Porzellanindustrie, das er mit Pferdegespannen zum Bahnhof Oschatz transportieren ließ. Sein Unternehmen firmierte 1899 als "Sächsische Kaolinwerke G.m.b.H.". Zwischenzeitlich förderte auch der Börtewitzer Gutsbesitzer v. Mayenburg das Mineral (später Werk IV).
Um 1900 entstanden Pläne einer ausschließlich dem Güterverkehr dienenden Zweigbahn von Nebitzschen durch das Tal des Kemmlitzbaches nach Kroptewitz. Neben dem Transport von Kaolinerde sollte sie auch Getreide und Rüben aus der landwirtschaftlich geprägten Region befördern. Mit einer Verordnung vom 28.02.1902 wurde der Bahnbau genehmigt und Anfang August des Jahres begannen zwei Bautrupps mit den Arbeiten an der kurzen schmalspurigen Stichstrecke. Der Abzweigbahnhof Nebitzschen an der Strecke Mügeln - Neichen wurde auf fünf Gleise erweitert. Im Dezember ruhte der Bau vorübergehend. Bereits am 03.08.1903 fuhr der bescheidene, aus nur einem Wagen bestehende Eröffnungszug, bespannt mit einer IV K-Lokomotive, nach Kroptewitz.
Der in vier angeschlossenen Werken betriebene Kaolinabbau verhalf der Strecke zu beachtlicher Rentabilität. Der Rohstoff sorgte für 80% des Frachtaufkommens und gelangte über das Wilsdruff-Mügelner Schmalspurnetz zum Export in den Strehlaer Elbhafen oder direkt nach Meißen zur Porzellanmanufaktur. Die mit 1:50 ansteigende Strecke begrenzte die Last bergwärts auf 105 t bzw. erforderte eine Vorspannlok. In talwärtiger Richtung konnten 225 t befördert werden.
Pläne zur Verlängerung der Strecke nach Großbothen existierten vor dem Ersten Weltkrieg, wurden aber nicht weiter verfolgt.
Die Kaolinwerke I und IV wurden 1921 bzw. 1931 von der "Sächsischen Elektro-Osmose-Kaolinwerke G.m.b.H." (SEOK) übernommen.
Das Mitteilungsblatt "Die Reichsbahn" vermeldete für den 01.02.1942 die Aufnahme des (nicht-öffentlichen) Personenverkehrs zwischen Nebitzschen und Kroptewitz. Ab dem 01.10.1945 fand die Personenbeförderung offiziell statt, indem die zwei werktägliche Güterzugpaare einen Personenwagen angehängt bekamen. Eine Fahrplantabelle taucht erst im Kursbuch 1950/51 auf. In Kemmlitz und Kroptewitz errichtete man kleine, massive Wartehallen. Die Reisezeit verlängerte sich jedoch aufgrund von Rangierhalten unzumutbar, so dass die Züge von der Bevölkerung kaum genutzt wurden. In der Folge wurden die Mitfahrgelegenheiten auf zwei Wochentage eingeschränkt und am 27.05.1962 der Personenverkehr anz eingestellt.

Weitaus erfolgreicher war der Güterverkehr auf der mit dem Kürzel NK bezeichneten Strecke. Die BHG errichtete vor dem Zweiten Weltkrieg in Kroptewitz ein großes Kornhaus, das einen eigenen Gleisanschluss erhielt. Die Erweiterung der Grube "Karl Marx" des Kaolinwerkes III machte 1960/61 sogar die Verlegung der Strecke zwischen km 3,0 und 3,4 erforderlich. Die neue Trasse verlief 100 m westlich der alten und erforderte am km 3,1 einen 4,4 m langen Brückenneubau über den Kemmlitzbach.
Der ab 1960 selten befahrene Streckenabschnitt ab km 3,5 wurde, nachdem das Werk IV im Jahr 1963 die Bahnverladung einstellte, am 28.08.1967 stillgelegt und bis 1969 abgebaut. Das Werk III wurde noch bis 1984 bedient und das Streckengleis vier Jahre später bis zum km 3,10 zurückgebaut. Die Werke I und II fuhren weiterhin das Kaolin per Schiene ab. In Kemmlitz entstand 1973 ein einständiger Lokschuppen für die werkseigenen Dieselloks. Bis zu Beginn der 80er Jahre stieg das Transportaufkommen immens; werktäglich verkehrten acht Züge mit voll beladenen Rollwagen. Bemühungen seitens der Reichsbahndirektion Dresden zu einem Umbau der Strecke auf Regelspur scheiterten.
Nach 1990 war der Transportbedarf der Kemmlitzer Kaolinindustrie deutlich rückläufig, so dass sich die drohende Stilllegung der NK-Linie abzeichnete. Ein Patenschaftsvertrag des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" rettete im September 1991 vorerst die Bahn. Nach dem Ende der Reichsbahn führte die 1993 gegründete Döllnitzbahn GmbH den Kaolintransport weiter. In Oschatz entstand eine moderne Umladestation, die am 04.02.1994 in Betrieb ging. Auf der Strecke fanden auch gelegentlich Sonderfahrten mit dampflokbespannten Personen- und Güterzügen statt. Der Haltepunkt Kemmlitz Ort entstand 1995 auf Initiative der Gemeinde; der im gleichen Jahr begonnene Haltepunkt Poppitz war vermutlich nie in Betrieb.
Zum Jahresbeginn 2002 wurde die Kaolinbeförderung per Schiene auf unbestimmte Zeit eingestellt und mit der Demontage des Anschlusses zum Werk I begonnen. Seit Anfang 2006 war die Strecke aus baulichen Gründen gesperrt. Nach einer aufwändigen Sanierung des Oberbaus und der Kemmlitzbachbrücke konnte am 09.06.2017 der Betrieb wieder aufgenommen werden. [2],[3],[5],[6]

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Quellen

[1] Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand 11228 Deutsche Reichsbahn, Rbd Dresden, Signatur 772
[2] Kenning: "Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff", Verlag Kenning, Nordhorn 2000
[3] Scheffler: "Döllnitzbahn (Oschatz - Kemmlitz)" aus "Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland", Sammelwerk GeraNova-Verlag
[5] Scheffler: "Nebitzschen - Kroptewitz" aus "Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland", Sammelwerk GeraNova-Verlag
[4] "Eisenbahn-Journal Archiv (Sachsenreport)", Band 7 und 8
[6] www.sornzig-ablass.de