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Eisenbahnen in Sachsen


Knappenrode — Abzw Sornoer Buden West / Graustein | Werkbahn Schwarze Pumpe
Streckengeschichte Werkbahnnetz

Die Anfänge des gleisgebundenen Kohletransportes in der Niederlausitz sind in den Jahren des Ersten Weltkrieges zu suchen. Zwischen 1915 und 1918 erbaute die Niederlausitzer Kraftwerke A.G. ein Großkraftwerk im Spreetal bei Trattendorf. Ebenfalls 1918 ging die Aluminiumhütte in Lauta als größter Energieabnehmer der Region in Betrieb. Aus den zumeist nördlich von Hoyerswerda gelegenen Tagebauen wurde die Braunkohle auf anfangs ausschließlich 900-mm-spurigen Strecken direkt an die Kraftwerke und Brikettfabriken geliefert. In den Jahren 1920/21 errichtete die Berliner Elektrowerke A.G. die erste regelspurige Kohlebahn zwischen Spremberg/Trattendorf und der Grube Brigitta (Spreetal). Die "Trattendorfbahn" wurde später bis zum Tagebau Erika Nord (Skado) in Form eines Dreischienengleises verlängert und war bis in die 50er Jahre vorhanden.
Um 1960 stellte man die meisten 900-mm-spurigen Bahnen auf Regelspur um. Fast jede betriebliche Anlage, dies waren vor allem Umspann- und Klärwerke, erhielt ein eigenes Anschlussgleis, z.B. das 1936 erbaute Wasserwerk Mortka, das Umspannwerk bei Mulkwitz oder die Grubenwasserkläranlage am Tagebau Reichwalde. Die Strecken waren in den üblichen Spannungen 1200 V (Braunkohlenwerk Glückauf) und 2400 V (Werkbahnnetz Schwarze Pumpe) elektrifiziert.
Nicht nur das Kombinat Schwarze Pumpe verschlang Unmengen an Kohle - zwischen 1971 und 1980 entstand bei Boxberg ein neues Großkraftwerk. Für die 1966 beginnenden Vorarbeiten konnte man auf eine sechs Jahre zuvor von der DR eröffnete Nebenbahn zurückgreifen, die östlich des Bahnhofs Uhyst begann. Ursprünglich war die 7,3 km lange Strecke für Militärtransporte zum Truppenübungsplatz Nochten bestimmt gewesen. Anfang der 70er Jahre gab es kurzzeitig einen Werkspersonenverkehr mit Loks der BR 110, später mit VT 171. Die regelspurige und weitgehend zweigleisig ausgebaute Strecke Knappenrode Werkbf - Boxberg ging am 18.05.1971 in Betrieb. Interessant ist, dass die (mittlerweile abgerissene) Straßenüberführung in Lohsa bereits 1955 als Stahlbetonbrücke über die 900-mm-spurige Kohlebahn entstand und ab Oktober 1985 etwas versetzt neu errichtet wurde. Ein Novum war eine 1987 in der Ortschaft aufgestellte Lärmschutzwand entlang der Strecke.

Die Tagebaue breiteten sich stetig aus und neue Braunkohlevorkommen wurden erschlossen. Obwohl einige Stammstrecken existierten, wie der Anfang der 70er Jahre gebaute Abschnitt Schwarze Pumpe - Tagebau Nochten, änderten die meisten Kohlebahnen im Laufe ihres Bestehens teils mehrfach ihre Streckenführung. Ein Beispiel ist die zweigleisige Verbindung Mulkwitz - Boxberg, die anfangs am Ostrand des Nochtener Tagebaus verlief, später an den Westrand verlegt wurde und heute mitten durch früheres Tagebaugebiet führt. Der Aufschluss des Tagebaus Bärwalde bedingte 1972 die Verlegung der Strecke Uhyst - Boxberg nach Osten. Am 09.07.1986 zog 52 8046 den letzten Güterzug über diese Kohlebahn, danach musste die Trasse dem Tagebau weichen.
Nach der Auskohlung der Tagebaue folgte meist auch der Rückbau der Gleisanschlüsse, so dass das Werkbahnnetz heute sehr dezimiert ist. Kurzlebig waren die Tagebaue Dreiweibern (Aufschluss ab 01.06.1981, Kohleförderung 01.03.1984 bis Anfang 1989) und Reichwalde (Aufschluss 1987), deren Gleisanlagen derzeit vor sich hin rosten.
In den 90er Jahren wurde das ausgedehnte Streckennetz - 1991 existierten in der Lausitz immerhin 913 km Regelspur- und 268 km Schmalspurstrecken - zunehmend entbehrlich und Gleise, Brücken sowie ganze Bahnhofsanlagen abgerissen. So verlor der Bahnhof Sabrodt den gesamten Verlade- und Übergabebereich zur schmalspurigen Grubenbahn samt dem Stellwerk 14 der LAUBAG. Das imposante Stellwerksgebäude der Reichsbahn, das bis um 2000 Wärter- und Befehlsstellwerk beherbergte, fiel ebenfalls dem Abriss zum Opfer.

Streckengeschichte Reichsbahnnetz

Die ostdeutsche Industrie war nach 1945 auf die Verarbeitung der heimischen Braunkohle angewiesen. Das Lausitzer Revier vereinte mit einem Lagervolumen von 12,4 Mrd. Tonnen Kohle über die Hälfte der in der DDR zur Verfügung stehenden Vorräte. Ein Ministerratsbeschluss vom 24.06.1954 sah den planmäßigen Aufbau der Braunkohleindustrie vor. Als neuen Standort wählte man ein verkehrsgünstig gelegenes, ca. 12 km² großes Gebiet um "Schwarze Pumpe", benannt nach einem früheren Gasthaus bei der Ortschaft Terpe.
Nach vorbereitenden Arbeiten im Juli 1955 vollzog die im Auftrag der Reichsbahn agierende "Bau-Union Dresden" am 01.08.1955 offiziell den Baubeginn für die regelspurige Eisenbahnstrecke Knappenrode - Schwarze Pumpe. Dem ersten Spatenstich für das Kombinat Schwarze Pumpe, den der damalige Minister für Schwerindustrie Fritz Selbmann am 31. August ausführte, folgte der Aufbau von drei Kraftwerken, drei Brikettfabriken, einem Druckgaswerk und einer Kokerei. Zeitgleich begann der Aufschluss der Tagebaue Burghammer (Förderbeginn 03.01.1963) und Welzow Süd. Bereits am 06.11.1956 konnte der Eisenbahnanschluss für die Großbaustelle in Betrieb genommen werden. Die Strecke über Spreewitz, deren Unterbau für ein zweites Gleis vorbereitet war, endete vorerst noch am km 16,625.
Am 30.09.1957 führte die DR einen Berufsverkehr mit Doppelstockeinheiten zwischen Hoyerswerda und Schwarze Pumpe ein. Da die neuen Anlagen des Personenbahnhofs, insbesondere das repräsentative und 1,02 Mio. Mark teure Empfangsgebäude, noch nicht fertiggestellt waren, erfreuten sich die Züge keiner großen Beliebtheit - mit den Bussen des Kraftverkehrs war man schneller und bequemer am Arbeitsplatz. Dies änderte sich jedoch mit den stetig wachsenden Beförderungszahlen. Zwischen November 1962 und Mai 1965 gab es nochmals einen planmäßigen Berufsverkehr mit Doppelstockzügen. Täglich mussten ca. 6000 Werktätige befördert werden. Nach einem Pressebericht endete der schienengebundene Berufsverkehr zum Jahresbeginn 1969. Die Personenzüge nach Schwarze Pumpe verkehrten offiziell noch bis zum 17.03.1969. Das Projekt einer S-Bahn-Verbindung ab Hoyerswerda konnte nicht verwirklicht werden. Immerhin hielten bis Ende Mai 1996 noch Dienstpersonenzüge auf ihrem Weg nach Sabrodt in Schwarze Pumpe, so dass bis zu diesem Zeitpunkt auch die beiden Stellwerke besetzt waren.
Zum Jahresbeginn 1959 konnte der "Kohlering" nördlich von Hoyerswerda geschlossen werden, indem die Strecke über Sabrodt bis Bluno verlängert wurde. Dort band das Gleis in die stillgelegte Reichsbahnstrecke Neupetershain - Hoyerswerda ein.
Am frühen Morgen des 01.05.1959 begann die Produktion im Kraftwerk West in Schwarze Pumpe, gegen 4 Uhr wurde der erste Strom ans Netz geliefert. Die Kohlebahn erreichte am 19. Mai des Jahres die Strecke Cottbus - Senftenberg bei Bahnsdorf und diente ab Bluno auch dem Verkehr von Neupetershain.

Die Nord-Süd-Verbindung zwischen Spremberg und Bautzen näherte sich im Sommer 1959 ihrer Fertigstellung: am 17. August des Jahres ging eine Verbindungskurve von Spreewitz zur Baustelle der neuen Spreebrücke in Betrieb. Mit dem Aufbau eines zweiten Streckengleises Sabrodt - Abzw Bluno Nord (später Sabrodt West) konnte ab dem 25.05.1960 die Spitzkehre im Bahnhof Bluno umfahren werden. Das Gleisdreieck gab man erst mit der Stilllegung des Abschnittes Bluno - Hoyerswerda am 28.05.1967 auf. Am 24.05.1963 wurde die nicht elektrifizierte Strecke Spreewitz - Graustein im Beisein des Präsidenten der Rbd Cottbus feierlich in Betrieb genommen. Den Eröffnungszug ab Spreewitz zog 23 1042. Unter der Überschrift "Fahrt frei - für Frieden und Sozialismus" berichtete ein Zeitungsartikel: »Die Leistungen aller am Bau beschäftigten Bauarbeiter und Ingenieure sind besonders hoch einzuschätzen, weil die Witterungsunbilden des vergangenen Winters das Kollektiv täglich vor neue und manchmal unüberwindlich scheinende Probleme stellte, deren Bewältigung die ganze Einsatzbereitschaft, Kraft und den Mut jedes einzelnen forderten. So gelang es zum Beispiel, ohne Verlegung und Benutzung eines Baugleises in der Zeit vom 7. Februar bis 4. März 1963 das Schotterplanum mit Hilfe von Fahrzeugen des Kraftverkehrs auf einer Länge von 4,1 Kilometern einzubringen und dabei zehn Tage Vorsprung gegenüber dem Ablaufplan zu erzielen. 50 000 DM sind der effektive ökonomische Nutzen, der durch diese gute Arbeitsorganisation erreicht wurde. [...] Anerkennenswert ist auch die Initiative der Brigade Arndt vom VEB Bau (K) Finsterwalde, die nach Feierabend das Behelfsstellwerk in Graustein aufstellte. Gemeinsam mit dem Kollegen Heinrich aus dem Bereich des Sicherungs- und Fernmeldewesens sicherten sie so die rechtzeitige Fertigstellung des Stellwerkes.«
Unter Regie der DR entstanden in den folgenden Jahren noch einige Verbindungsstrecken:
     25.04.1964   Abzw Sornoer Buden West - Abzw Sornoer Buden Ost
     20.04.1965   Abzw Graustein Süd - Abzw Graustein Ost
     01.04.1967   Abzw Spreewitz Nord - Abzw Spreewitz Süd
Mit dem letztgenannten Lückenschluss war eine durchgehende Verbindung zwischen Bautzen und Spremberg vorhanden, die bis zum 12.12.2004 auch im Personenverkehr der Relation Hoyerswerda - Spremberg - Cottbus bedient wurde. Der Ausbau als Hauptbahn erlaubte eine hohe Reisegeschwindigkeit; nach dem Wegfall des Haltes in Weißkollm (um 1994) und Knappenrode (ab 30.05.1999) war der einzige Zwischenstopp in Hoyerswerda-Neustadt. Während bis Ende der 90er Jahre lokbespannte Züge (meist mit der Baureihe 232) zum Einsatz kamen, fuhren zuletzt altbrauchbare Bundesbahn-Triebwagen.
Das zweite Streckengleis Weißkollm - Spreewitz (beide als Ostgleis bzw. Westgleis bezeichnet) ging vermutlich 1963 in Betrieb. Bis Spreewitz war die Strecke anfangs mit 2400 V Gleichstrom elektrifiziert. Die Oberleitung wurde zwar 1973 abgebaut, in den letzten Jahren der DR aber erneut eine Elektrifizierung vorgenommen, diesmal der Gesamtstrecke und mit den üblichen 15 kV. Am 17.12.1988 konnte der elektrische Betrieb eröffnet werden. Wann die Oberleitung wieder abgeschaltet wurde, ist nicht bekannt. Sie fand jedoch 2003 westlich von Schwarze Pumpe ein unrühmliches Ende, als Unbekannte zur Buntmetallgewinnung auf Kilometern das Kupferkabel herunterschnitten. Zu Stilllegung und Rückbau der Strecken gibt es ansonsten kaum Angaben:
  Knappenrode - Spreewitz: Westgleis 15.08.1999/30.10.2000 stillgelegt
  Spreewitz - Sornoer Buden: 31.05.2002 stillgelegt, Oberleitung abgebaut
  Spreewitz - Abzw Spreewitz Nord: 15.05.1995 stillgelegt, Abzweigweichen ausgebaut
  Spreewitz - Tagebau Burghammer/Scheibe: abgebaut
  Abzw Graustein Süd - Abzw Graustein Ost: 01.12.1992 stillgelegt, Abzweigweichen ausgebaut
  Awanst Nochten - Mulkwitz: abgebaut
  Boxberg - Knappenrode Werkbf - Knappenrode: abgebaut
  Boxberg - Tagebau Bärwalde (- Uhyst): abgebaut

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Quellen

[1] Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand 11384 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft, Signatur 4178
[2] Kuhlmann: "Stillegungen und Eröffnungen von Bahnen im Lausitzer Revier" in "Verkehrsgeschichtliche Blätter", Heft 3/2002
[3] Schubert: "Strecke Uhyst - Boxberg" in "Verkehrsgeschichtliche Blätter", Heft 1/2003
[4] Heinrich: "Rohstoffgewinnung im Raum Hoyerswerda" in "Sächsische Heimatblätter", Heft 4/1998
[5] VEB Kombinat Schwarze Pumpe: "20 Jahre Kombinat Schwarze Pumpe", 1975
[6] LAUBAG: "80 Jahre Braunkohlenbergbau um Lohsa", 1993
[7] Modelleisenbahner, Heft 1/1987
[8] Lausitzer Rundschau vom 08.06.1963
[9] Informationen von C. Schubert
[10] www.sachsen-stellwerke.de