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Eisenbahnen in Sachsen


Freiberg (Sachs) — Halsbrücke | Werkbahn Brennstoffinstitut Freiberg
Vorgeschichte und Bau

Der Bau der Stichbahn nach Halsbrücke steht, ähnlich wie bei den Strecken nach Großhartmannsdorf und Langenau, im Zusammenhang mit dem Erzbergbau um Freiberg. Die nördlich der Stadt gelegene Ortschaft Halsbrücke wurde Ende des 19. Jahrhunderts dominiert von den Königlichen Schmelzhütten, die das gewonnene Erz aufbereiteten. Bekanntestes Wahrzeichen und Orientierungspunkt der Region ist bis heute die 1888/89 errichetete "Halsbrücker Esse". Der 140 m hohe Schornstein war seinerzeit der höchste der Welt und diente der Abführung giftiger Rauchgase der Schwefelsäureproduktion.
Am 29.10.1888 wurde die Verordnung zum Bahnbau Freiberg - Halsbrücke erlassen, im April 1889 begannen die Arbeiten. Drei Monate später waren 445 Arbeiter mit dem Bahnbau beschäftigt. Im Osten von Freiberg richtete man einen Bahnhof für die dort gelegenen Schachtanlagen und Erzwäschen ein. Über Tuttendorf wurde die Strecke hinab ins Muldental nach Halsbrücke geführt. Das größte Gefälle betrug 1:40 auf 1 142 m. Nennenswerte Kunstbauten waren nicht erforderlich. Das längste Brückenbauwerk diente zur Überquerung der Hauptbahn in der östlichen Einfahrt des Bahnhofs Freiberg. Bis Ende 1889 hatte man 550 m Gleis ausgelegt.
Am 15.07.1890 konnte die Strecke Freiberg - Halsbrücke eröffnet werden. Auf große Feierlichkeiten hatte man bewusst verzichtet, da der Personenverkehr nur eine untergeordnete Rolle spielen sollte. [2],[3]

Betrieb und Stilllegung

Nach 1900 erhielten der Turmhofschacht und das neu gegründete Zweigwerk der Porzellanfabrik Kahla einen Gleisanschluss. Im Werk wurden Isolatoren für elektrische Anlagen hergestellt. 1923 ging hier das erste Hochspannungsprüffeld Europas für 1 MV in Betrieb.
Der einständige Lokschuppen in Halsbrücke wurde bereits anlässlich einer Bahnhofserweiterung im Jahr 1910 abgerissen. Bis zum Niedergang des Bergbaus um 1913 verhüttete man einheimische Rohstoffe, danach wurden importierte Erze aufbereitet. Im Jahr 1917 erweiterte man dafür erneut den Endbahnhof. Über die Wegüberführung am km 2,9 fuhr bis in die 20er Jahre hinein eine Feldbahn, die die Schachtanlage "Reiche Zeche" mit der Zentralwäsche verband.
Die Autarkiebestrebungen und die Rüstungsproduktion in den dreißiger Jahren führten zur Wiederaufnahme des Bergbaus, was mit einem erneuten Umbau des Endbahnhofs verbunden war. Das bis 1939 am km 7,619 endende Streckengleis wurde etwa 300 m in Richtung Rothenfurt vorgestreckt. Dazu kreuzte man den Schulbergweg mit einer Betonbrücke und legte im steil abfallenden Talhang einen tiefen Felseinschnitt an.
Die letzten Kriegstage im Mai 1945 hatten keinen Einfluss auf die Nebenbahn, wohl aber beeinträchtigten sie die Arbeit in den Halsbrücker Bergwerksanlagen, wie ein Bericht aus jener Zeit eindrucksvoll belegt: »Am 7. Mai 1945, kurz nach 7 Uhr, wurde infolge der Kriegsereignisse der Strom weggenommen. Förderung und Wasserhaltung mußten stillgelegt werden. Gegen 10 Uhr betraten die ersten Russen das Werksgelände. Während in den ersten Tagen hauptsächlich private Gegenstände mitgenommen wurden, wurde am 9. Mai auch Werkseigentum konfisziert. Zunächst erlaubten die Russen den Einwohnern, die vorhandenen Vorräte an Holz zu nehmen. In der folgenden Zeit ging man dazu über, Gummistiefel sowie Gummischutz- und Arbeitskleidung der Belegschaftsmitglieder zu rauben. Spinde wurden aufgebrochen und der Inhalt mitgenommen. Die vorhandenen Benzin- und Ölvorräte wurden beschlagnahmt und abtransportiert, außer Braunkohlenteeröl. Den Vorrat an Dachpappen und Fensterglas sowie einen Teil Büromöbel nahmen sich die Russen gleichfalls mit. [...]«

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zwei längere Anschlussbahnen zur Zinkhütte und zum Brennstoffinstitut. Die letztgenannte Einrichtung wurde am 11.12.1956 gegründet. Ein Jahr später erwarb man auf einer Hochfläche im Norden von Freiberg, östlich der Halsbrücker Straße, ein 20 ha großes Baugelände. Am 31.07.1959 begannen die Arbeiten an der 2,0 km langen Werkbahn, die am km 2,485 FH in Freiberg Ost vom Gleis 5 abzweigte. Als Nebenanschließer existierten zu Beginn das VEB Bergbau- und Hüttenkombinat "Albert Funk", das seinerseits die VEB Porzellanfabrik Freiberg als Nebenanschließer hatte, und ein Betonwerk. Mitte der 80er Jahre kam noch ein längeres Gleis am km 1,5 hinzu, über das ein Heizkraftwerk bedient wurde. Für die niveaufreie Kreuzung der FH-Linie schuf man ein Überführungsbauwerk. Ende 1960 war das Gleis fertiggestellt und am 12.07.1961 wurde eine "Vorläufige Bedienungsanweisung" für die Werkbahn erlassen. Die Wagenübergabestelle am km 0,2 ging am 20. Oktober des Jahres in Betrieb. Die Arbeiten an den Gebäuden des Brennstoffinstituts zogen sich dagegen noch bis 1968 hin.
Wie die Fahrplantabellen eindrucksvoll belegen, begann mit dem Aufbau der Hüttenkombinate Ende der 50er Jahre nochmals eine Blütezeit der Strecke. Ende 1960 gab es Pläne, an der Frauensteiner Straße einen Haltepunkt anzulegen. Aufgrund zu hoher Kosten entschied sich das Freiberger Hüttenkombinat jedoch im August 1961 gegen die Bahnstation. Die Wirtschaftlichkeit der Erzgewinnung stand zunehmend in Frage. Mit der endgültigen Einstellung des Bergbaus 1969 fuhr auch die Eisenbahn dem absehbaren Aus entgegen ...
Der Personenverkehr wurde am 01.06.1975 von der FH-Linie verbannt; den P 15795 als letzten Zug zog 110 080 am Vortag. Die Gnadenfrist für den bescheidenen Güterverkehr bis Freiberg Ost währte noch bis zum Jahresbeginn 1995. Danach wurden nur noch die Anschließer bedient.
Am 10.05.2004 wurde die Strecke bis km 1,507 in ein Nebengleis des Bahnhofs Freiberg umgewandelt. Genau zwei Monate später nahm die Freiberger Eisenbahngesellschaft mbH, die den Betrieb auf der Nebenbahn nach Holzhau bestreitet, im Industriegebiet SAXONIA eine Fahrzeughalle für ihre eingesetzten Triebwagen in Betrieb. Damit ist zumindest bis zum km 1,1 der Fortbestand der FH-Linie gesichert. In der Ortslage Tuttendorf wurde die Trasse nach 2000 teilweise überbaut. Im Januar 2016 begann der Gleisrückbau des stillgelegten Abschnittes im Bahnhof Halsbrücke.
Bildmaterial zur Nebenbahn existiert leider kaum. Dies mag einerseits an der kurzen, unspektakulären Streckenführung liegen, ist aber sicher auch auf die Lage der Strecke im Bergbaugebiet mit Fotografierverbot zurückzuführen. [1],[2],[3],[4],[6],[7],[9],[10],[11],[12]

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Quellen

[1] Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand 11384 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft, Signatur 1528
[2] Preuß: "Berthelsdorf - Großhartmannsdorf/Langenau ..." aus "Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland", Sammelwerk GeraNova-Verlag
[3] Berger: "100 Jahre Berthelsdorf-Langenau und Freiberg-Halsbrücke" in "Modelleisenbahner", Heft 7/1990
[4] Brennstoffinstitut Freiberg: "Chronik 1956-1969", Freiberg 1985
[5] Kasper, Wächter: "Geschichte der Bergstadt Freiberg", Verlag H. Böhlaus Nachf., Weimar 1986
[6] Schirrschmidt: "Bedienungsanweisung für die Anschlußbahn des Deutschen Brennstoffinstituts auf Bf Freiberg-Ost", Technikerarbeit 1965
[7] Fischer: "Bedienungsanweisung für die Anschlußbahn des VEB Bergbau- und Hüttenkombinat Albert Funk, Grube Freiberg und des VEB Porzellanfabrik Freiberg auf Bf Freiberg-Ost", Technikerarbeit 1965
[8] "Eisenbahn-Journal Archiv (Sachsenreport)", Band 8
[9] Informationen von J. Haipeter
[10] www.regional-technikgeschichte-hermsdorf.de
[11] www.freiberger-eisenbahn.de
[12] Informationen von H. Vogler