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Eisenbahnen in Sachsen


Crimmitschau - Schweinsburg
Vorgeschichte und Bau

Zur Geschichte einer der kürzesten Industriebahnen der Rbd Dresden ist bisher wenig bekannt. In den Chroniken der Anliegergemeinden taucht sie - wenn überhaupt - nur als Randnotiz auf.
Seit 1844/45 tangierte die Hauptbahn Leipzig - Hof das Pleißetal bei Crimmitschau. Für die Stadt Crimmitschau und die dort ansässige Textilindustrie bedeutete dies langfristig wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand. Die südlich gelegene Gemeinde Schweinsburg und ihre Unternehmen konnten daran nicht teilhaben, befand sich für sie die Eisenbahnstrecke doch unerreichbar hoch über dem Tal. Die Eisenbahnverwaltung richtete lediglich 1887 in Culten einen Personen-Haltepunkt ein. Unter Leitung des Schweinsburger Fabrikanten und Rittergutsbesitzers Carl Wolf gründete sich ein "Industriebahn-Verein von Schweinsburg und Umgebung", der fortan für den Bau einer Güterstrecke nach Schweinsburg kämpfte.
Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass der Güterteil des Bahnhofs Crimmitschau an seiner Kapazitätsgrenze angelangt war. Da die Topografie keine Erweiterung zuließ, nahm man den Neubau eines Güterbahnhofs im Stadtteil Wahlen in Aussicht. Dieser sollte durch ein drittes Gleis mit dem Bahnhof der Stadt verbunden werden und eine Weiterführung durch das Pleißetal nach Werdau erlauben. Die Kosten für den Bau der Güterstation mit Güterschuppen, Laderampe, Stellwerken, Diensträumen sowie 2,35 km Gleisen waren mit 750 000 Mark veranschlagt. Der Vorschlag wurde am 04.04.1898 in der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtags erörtert und zur Bewilligung empfohlen.
Im September 1898 begannen die Vorarbeiten, doch erst 1901 erkannte die Staatsregierung auch die Notwendigkeit einer Industriebahn im Pleißetal an. Im Dekret vom 31.12.1901 beschloss man weitere Vorarbeiten für eine Strecke Zwickau - Werdau Nord - Crimmitschau, die auch ausgeführt wurden. Danach ruhte das Projekt erneut für einige Jahre. Zu Gunsten der knapp vier Kilometer langen Strecke Crimmitschau - Schweinsburg stufte man letztlich den geplanten Güterbahnhof Wahlen zur Ladestelle zurück. Die 1898 veranschlagten Kosten wurden somit nicht überschritten.
Um 1904 stand die Stadt Crimmitschau in Verhandlungen mit der Allgemeinen Electricitätsgesellschaft in Berlin, die den Bau eines Elektrizitätswerkes im Pleißetal plante. Am 18.04.1904 besichtigten Stadt- und Gemeindevertreter, Landtagsabgeordnete sowie Interessenten des Industriebahn-Vereins das künftige Bahnhofsgelände.

Am 01.04.1906 begann die Trassenabsteckung, im Sommer des Jahres die Enteignungsverhandlungen. Bei der Wahl des Geländes für die Ladestelle Schweinsburg spekulierte man immer noch mit einer späteren Fortsetzung der Strecke durch das Pleißetal bis Werdau. Der teilweise Baubeginn auf erworbenem Land war am 25.03.1907 und nach Abschluss der Enteignungsverfahren nahm man am 23. Juli des Jahres das Gesamtvorhaben in Angriff. Von den Güteranlagen des Bahnhofs Crimmitschau bis in Höhe der Straßenüberführung lag die CS-Linie als drittes Gleis neben der Strecke Leipzig - Hof. Dazu musste die Böschung am Po 45 abgetragen, das Gebäude mit einer Stützmauer aus Beton gesichert, die Brücke über die Hainstraße neu errichtet und die Überführung der Harthstraße verbreitert werden. Letzteres Vorhaben erfolgte zwischen dem 14. und 16.08.1907. Eine Bachbrücke baute man - typisch für jene Zeit - als gewölbten Betondurchlass. Am km 2,516 errichtete man im gleichen Jahr für 7 973,48 Mark ein Wärterwohnhaus als Typenbau. Ende 1907 waren 2270 m Planum fertiggestellt und 850 m Gleis verlegt. Eine Pleißebrücke war vollendet und die Hochbauten in Schweinsburg befanden sich im Bau. Durchschnittlich waren 83 Arbeiter beschäftigt.
Die Baustation 0 der Linie CS lag bei km 63,810 LH. An der Trennung von der Hauptbahn entstand die Ladestelle Crimmitschau-Wahlen. Die sparsam ausgestattete Station diente nur dem örtlichen Güterverkehr. Der "Statistische Bericht" vermerkt folgende Hochbauten:
     Crimmitschau-Wahlen: 1 Dienstgebäude aus Wellblech
                          1 Ladelehre
                          1 Wagenkasten für Stückgüter, dgl. 1 für Geräte
                          1 Freiabtritt
     Schweinsburg:        1 Güterschuppen mit Dienstraum
                          1 Kopf- und Seitenrampe
                          1 Ladelehre
                          1 Wagenkasten für Geräte
                          1 Freiabtritt
Im Jahr 1908 waren im Durchschnitt 135 Arbeiter beim Streckenbau tätig. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 607 867 Mark.

Nach Fertigstellung der Arbeiten befuhr am Mittag des 26.06.1908 der Prüfungszug mit hohen Beamten, darunter dem Generaldirektor der K.Sächs.St.EB von Kirchbach, die Strecke. Der feierlichen Streckeneröffnung stand danach nichts mehr entgegen. Der "Crimmitschauer Anzeiger" berichtete über das Ereignis: »Die Industriebahn Crimmitschau-Schweinsburg wurde am heutigen 1. Juli in Betrieb genommen. Der festlich mit bunten Fähnchen und grünen Zweigen geschmückte Zug, welcher die Nummer 6380 führt, fuhr heute morgen 6.10 Uhr hier ab. Mit lustigem Gebimmel dampfte er durch die schön gelegenen Nachbarorte Naundorf-Schiedel und kam ¾ 7 Uhr auf der Endstation in Schweinsburg an. [...]«

Betrieb und Stilllegung

Mit der Eröffnung der Industriebahn wurde der Haltepunkt Culten an der Strecke Leipzig - Hof in "Schweinsburg-Culten" umbenannt.
Zu Beginn verkehrten im Pleißetal zwei Zugpaare täglich, bei Bedarf ein weiteres Zugpaar. Die Güterkunden waren rund um die Ladestelle Schweinsburg (ab 1933 Güterbahnhof) konzentriert. Der Schwerpunkt des Güterverkehrs lag im Transport von Kohle, vor allem für das Elektrizitätswerk. Die geplante Erweiterung der Strecke bis Werdau kam nicht zustande, obwohl das Neubauamt noch bis zum 30.09.1908 in Crimmitschau tätig war und den Weiterbau der Strecke vorbereitete. Als einzige Erweiterung entstand in Schweinsburg ein ansehnliches Beamtenwohnhaus. Eine mögliche Personenbeförderung stand ebenfalls nie zur Diskussion.
Im Zweiten Weltkrieg produzierte die Zwirnerei u.a. Fallschirme. Die Strecke Crimmitschau - Schweinsburg blieb von kriegsbedingten Zerstörungen verschont. Die Harthstraßen-Überführung wurde um 1963 im Rahmen der Elektrifizierung der Strecke Leipzig - Hof als Fertigteilbauwerk erneuert. Als im gleichen Jahr das Elektrizitätswerk seinen Betrieb einstellte, verlor die Bahn ihren wichtigsten Anschließer und wurde in der Folge stillgelegt. Eine genaue Datierung gibt es dazu nicht. Dem Rückbau fielen auch die stählernen Pleißebrücken zum Opfer. Bis heute erinnern gut erhaltene Hochbauten, Brückenwiderlager, Bahndämme sowie ein paar Meter Anschlussgleis am Elektrizitätswerk an die "Bimmelbahn" im Pleißetal. Zwischen km 2,9 und 3,5 wurde die Trasse als Geh- und Radweg ausgebaut. [1]

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Quellen

[1] Dietzmann: "Ausführlicher Bericht über die Entstehung der Industriebahn Crimmitschau-Wahlen-Schweinsburg ...", Crimmitschau 1960 (Manuskript im Verkehrsmuseum Dresden)